Funde aus dem Gräberfeld Mellaun  

Funde aus dem Gräberfeld Mellaun

 

7. bis 5. Jahrhundert v. Chr.
Mellaun - Obere Leite (Reiferfelder)
Krüge vom Typ Melaun, Schale, Schlangenfibel, Certosafibel
Gebrannter Ton, Bronze

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 11.531, 11.532, 11.537, 10.124, 10.122

Bild vergrößern ...

 


Unter den zahlreichen Grabungen, die Franz von Wieser durchführte und durch die das Museum einen Zuwachs bedeutender Fundkomplexe aller vorgeschichtlichen Perioden erfuhr, verdient auch jene 1908 im Gräberfeld der spätbronze- und ältereisenzeitlichen Laugen-Melaun-Kultur in der "oberen Leite" des Reiferbauern in Mellaun bei Brixen (JB 1908, IX; Wieser, 198f) eine besondere Beachtung. Gero von Merhart veröffentlichte die nicht im Grabzusammenhang verwahrten Funde (Merhart, 68ff) und prägte für die im Gräberfeld vorkommenden signifikanten Gefäßformen, insbesondere den Krug, in Verbindung mit dem Fundort den Terminus "Melauner Keramik". Der zweite namengebende Fundplatz liegt am Laugen, einem verlandeten See am Natzer Plateau oberhalb von Brixen; den Begriff "Laugen Kultur" hatte erstmals Adrian Egger 1917 anlässlich der Vorlage der keramischen Funde dieses Fundplatzes vorgeschlagen (Egger, 130ff; Lang).

 

Kennzeichnende Leitform der in ihrem Kerngebiet in Südtirol und nahezu im gesamten Trentino, in Osttirol und Graubünden, im Unterengadin und Alpenrheintal verbreiteten Laugen-Melaun-Kultur mit Ausstrahlung nach Kärnten (Gleirscher, 117ff) ist ab der Frühphase, Laugen-Melaun A, der so genannte Laugener Krug mit ausgeprägtem Standfuß, verziertem Stabhenkel mit beidseits am Mundsaum sitzenden Schneppen und stempelverzierten Girlandenbögen um zwei warzenförmige Knubben auf dem doppelkonischen Gefäßkörper. Aus dieser Krugform bildet sich in der Spätphase (Laugen-Melaun C) der kleinere Krug vom Typ Melaun mit Standring und senkrechter, vom Ausguss auf dem Gefäßkörper herabziehender, von konzentrischen Girlandenleisten eingefasster Zierleiste.

 

Die wenigen Nachweise von Laugen-Melaun-Keramik im Nordtiroler Raum können als Importe angesehen werden, als lokale Nachahmung etwa der Krug von Innsbruck-Wilten.

 

Die Keramik- und die Metallfunde aus dem Gräberfeld Mellaun, abgebildet sind Krüge vom Typ Melaun, eine Schale, eine Schlangenfibel mit bandförmigem Bügel und großer Zierscheibe mit Mittelbuckel sowie eine Certosafibel mit dreifach gegliedertem Bügelwulst, erweisen die Belegung des Mellauner Gräberfeldes vom Ende des 8. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. (Lunz, 61ff).


Laugener Krug, Ton
Innsbruck-Wilten
12./11. Jh. v. Chr.
Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.Nr. U 4.884



Literatur
Franz von Wieser, Neuaufgedeckte Urnenfriedhöfe in Tirol, in: Zeitschrift des Ferdinandeums, 3. F., 53 (1909) 195-199. - Adrian Egger, Vorgeschichtliche Ortsbeschreibung des Natzerberges bei Brixen, in: Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs 14 (1917) 129-146. - Gero von Merhart, Archäologisches zur Frage der Illyrer in Tirol, in: Wiener Prähistorische Zeitschrift 14 (1927) 65-118. - Amei Lang, Laugener Keramik, in: Germania 60 (1982) 13-37. - Paul Gleirscher, Die Laugen-Melaun-Gruppe. In: Ingrid R. Metzger / Paul Gleirscher (Hgg.), Die Räter / I Reti (Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer, Kommission III / Kultur, Bozen 1992) 117-134. - Reimo Lunz, Ur- und Frühgeschichte des Brixner Raumes (Archäologisch-historische Forschungen in Tirol 9, Calliano 1994).

 

Wolfgang Sölder