Klarinettenkonzert, 1819  

Klarinettenkonzert, 1819

 

Johann Baptist Gänsbacher (Sterzing 1778-1844 Wien)
Concerto in Es per il Clarinetto in B
mit Begleitung von 2 Violinen, 2 Violen, Flöte, 2 Oboen, 2 Fagotten, 2 Hörnern, 2 Trompeten und Pauken
Autograph, Innsbruck 1819, 315 x 220 mm, 75 Seiten

Musiksammlung, Inv.-Nr. M 1230

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Neben bedeutenden Musikinstrumenten verwahrt die Musiksammlung des Ferdinandeums eine Vielzahl von Notenhandschriften und -drucken, darunter Unikate und Erstdrucke von Seltenheitswert wie Autographe, vor allem von Tiroler Komponisten. Johann Baptist Gänsbacher gehört zu den besten Tiroler Komponisten, die auch überregional bekannt sind und Karriere gemacht haben. Sein 1819 in Innsbruck als Oberleutnant des Kaiserjäger-Regiments für den berühmten Klarinettisten Pietro Antonio de Glesia komponiertes Klarinettenkonzert kam als Geschenk seines Sohnes Dr. Josef Gänsbacher über Vermittlung des Innsbrucker Musikdirektors Josef Pembaur (mehr zu ihm unter 1936) an das Ferdinandeum. Gänsbacher stammt aus Sterzing, besuchte in Innsbruck die Universität und wandte sich 1801 nach Wien, um bei dem dort weilenden berühmten Musiktheoretiker Abbé Vogler Unterricht zu erhalten. Damals lernte er Carl Maria von Weber kennen, mit dem ihn fortan eine lebenslange innige Freundschaft verband. Den Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn bedeutete 1824 seine Berufung zum Domkapellmeister zu St. Stephan in Wien, ein in der Musikwelt besonders gefragter Posten, den er bis zu seinem Lebensende innehatte. Außer als Komponist, der eine Reihe bedeutender Sakralwerke schuf, aber auch Kammermusik in unterschiedlichster Besetzung, Werke, die in renommierten Verlagen erschienen sind, ist Gänsbacher für die Geschichte Tirols ebenso als Freiheitskämpfer bedeutsam.

 

Sein Klarinettenkonzert, das einzige Stück, das Gänsbacher für die Gattung "Konzert" komponiert hat, ist dreisätzig. Gänsbachers progressive Schulung durch den weltgewandten Abbé Vogler zeigt sich nicht nur in der exakten Fixierung der Tempi mit Metronomangaben - eine zu dieser Zeit noch seltene Praxis -, sondern vor allem im romantisch expressiven zweiten Satz, der schon so manche später berühmt gewordene Klarinetten-Kantilene seines Freundes Weber vorwegnimmt. Den effektvollen Schlusssatz bildet ähnlich wie bei Beethovens Tripelkonzert eine modische Polonaise, deren prägnante Rhythmik Gänsbacher wiederholt auch in anderen Werken gebraucht hat.


Innsbrucker Maler, Johann Baptist Gänsbacher, 1824
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1527



Literatur
Walter Senn (Hg.), Johann Gänsbacher, Denkwürdigkeiten aus meinem Leben (Thaur 1986).

 

Manfred Schneider