Entwurf für die Korridorgestaltung des Ferdinandeums, um 1882/84 (?)  

Entwurf für die Korridorgestaltung des Ferdinandeums, um 1882/84 (?)

 

Edmund von Wörndle (Wien 1827-1906 Innsbruck)
Aquarell, Bleistift, 272 x 747 mm
bez. o. Mitte: für den Corridor des Museums zu Innsbruck entworfen von Edm. v. Wörndle

Graphische Sammlungen, Inv.-Nr. W 82

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Der aus Wien stammende Edmund von Wörndle ist seit 1859 in Innsbruck ansässig. Zu seinen Hauptwerken zählen monumentale Landschaften mit biblischen Staffagen und stimmungsgeladene Naturbilder, die im Nachhall der Landschaftsmalerei Joseph Anton Kochs stehen. Daneben schuf er Fresken, graphische Folgen und Radierungen.

 

Der in Aquarell über Bleistift ausgeführte Entwurf "für den Corridor des Museums zu Innsbruck" zeigt die durch Pilaster und die drei Eingangstüren in die Schausammlungen gegliederte linke Hälfte des Korridors des ersten Stockes des Ferdinandeums, in welchem sich nach der Neuaufstellung 1885 die Sammlung der Gipsabgüsse befand. Die Bogenfelder zwischen den Pilastern hat Wörndle mit je einer bedeutenden Landschaft aus der Geschichte Tirols versehen: Über der linken Tür dargestellt ist das "Dorf Spinges", das "Schlachtfeld des tyroler Landsturmes 1797", in der Mitte befindet sich "Calliano bei Trient", der Ort der "Schlacht der Tyroler gegen Venezianer 1437", über der rechten Eingangstür ist Tirols "ältester Bischofssitz", das "Kloster Säben", zu sehen, und das Bogenfeld über der Eingangstür der Stirnwand zeigt das "Sterzinger Moos", das "Schlachtfeld Andreas Hofers 1809". Den Halbbogen über den Treppenaufgang zum zweiten Obergeschoß hingegen hat der Künstler als Maßwerkornament gestaltet. Die gliedernden Pilaster, die rotbraune Farbgebung der Wände sowie die Aufstellung der Gipsabgüsse selbst verleihen der gesamten Gestaltung eine strenge und stark klassizistisch ausgerichtete Note.

 

Der nicht datierte Entwurf wurde nach dem Tod von Edmund von Wörndle 1906 vom Sohn des Künstlers, Heinrich von Wörndle, aus dessen Nachlass dem Ferdinandeum mit einer Reihe von weiteren "aquarellierten Dekorationsskizzen" geschenkt. Weder aus den vorhandenen Akten noch aus anderen Quellen geht jedoch hervor, wann und aus welchem Anlass Wörndle den vorliegenden Entwurf gestaltet hat. Auch lassen sich keine Aufzeichnungen über einen Auftrag des Museums an den Künstler ausfindig machen. Es ist jedoch anzunehmen, dass Wörndle ihn im Zuge der Um- und Erweiterungsbauten 1882/84 geschaffen hat. Die Aquarellskizze stellt damit ein wichtiges Dokument für die Baugeschichte des Ferdinandeums dar, zugleich gibt sie auch Aufschluss über Wörndles aus der Landschaftsmalerei entwachsene Wandgestaltungen.

 

Mehr zu Edmund von Wörndle unter 1878


Edmund von Wörndle, Ideale Landschaft mit Staffage: Simson bezwingt den Löwen, 1864
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 452
Zur Erwerbung dieses Gemäldes siehe Chronik 1878



Literatur
EB 1906, Nr. 13. - JB 1907, XXIV. - Monika B. Oberhammer, Der Landschaftsmaler Edmund von Wörndle zu Adelsfried (1827-1906). Phil. Diss. (Innsbruck 1969).

 

Günther Dankl