Weihegaben aus Sanzeno  

Weihegaben aus Sanzeno

 

4. bis 1. Jahrhundert v. Chr.
Sanzeno (Trentino)
Gebrannter Ton, Bronze, Eisen

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 11.937, 12.001a, 12.018, 12.437, 12.480, 12.883, 12.904, 13.113, 13.115, 13.396, 16.088

Bild vergrößern ...

 


Für die Zeit um die Jahrhundertwende stellen die großen Fundkomplexe vom Brandopferplatz Mechel-Valemporga und aus den Heiligtümern von Sanzeno wohl die bedeutendsten Erwerbungen der Vor- und Frühgeschichtlichen und Provinzialrömischen Sammlungen dar.

 

Weit über 1500 Inventarnummern sind Geräten, Werkzeugen und Waffen aus Eisen, Schmuckgegenständen aus Bronze und Glas sowie Ton- und Bronzegefäßen aus Sanzeno zugewiesen, die überwiegend durch Ankäufe des Ferdinandeums von den Antiquitätenhändlern in Bozen und Meran erworben wurden (JB 1899 bis 1915). Die Raubgrabungen der Bauern, die auch ihre in Sanzeno in der Flur Casalini gelegenen gewinnversprechenden Grundstücke bisweilen an Antiquare zur Fundbergung verpachteten, veranlassten Franz Ritter von Wieser, Professor für Geographie an der Universität Innsbruck, ab 1877 "zum Fachdirektor in der naturhistorischen Sektion und speziell für prähistorische Fundstücke und Forschungen" und 1887 zum Vorstand des Ferdinandeums bestellt, im Jahre 1899 eine Grabung im Inneren eines Hauses vom Typ "casa retica" durchzuführen (EB 1899; Nothdurfter 1979, 8f). Die von Gero von Merhart vorgelegten Grabungsergebnisse (Merhart, 71ff) decken sich mit jenen späterer Untersuchungen und lassen die zweigeschossig in Stein und Holz errichteten Gebäude teilweise als Heiligtümer interpretieren (Spehr), in denen über Jahrhunderte hinweg den Gottheiten dargebrachte Devotionalien deponiert wurden; manche waren vielleicht auch den Priestern vorbehalten oder dienten den Kulthandlungen (Nothdurfter 1997). Südlich dieses sakralen Bezirks erstrecken sich die eisen- und römerzeitlichen Wohnbauten (Marzatico).

 

Aus der Fülle der qualitätvollen Funde von Sanzeno sind mit Angabe des Erwerbungsjahres abgebildet: Fleischgabel, Schlüssel mit abgewinkeltem Bart (1899), Schlichtmesser für die Lederbearbeitung (1900), Schaftlochdechsel (1902), Bratspieße (1905), Sanzeno-Schalen (1901), Spiralarmreif mit Tierkopfenden (1898), Schüsselfibel (1905), Palmettenfibel (1898), Mandolinenfibelpaar, Scheibenhalsring (1905).


Scheibenfibel, Bronze/Email
2. Hälfte 2. Jh. n. Chr.
Mechel, Valemporga
Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.Nr. U 10.486



Literatur
Gero von Merhart, Archäologisches zur Frage der Illyrer in Tirol, in: Wiener Prähistorische Zeitschrift 14 (1927) 65-118. - Johann Nothdurfter, Die Eisenfunde von Sanzeno (Römisch-Germanische Forschungen 38, Mainz am Rhein 1979). - Hans Nothdurfter, Sanzeno im Nonsberg (Trentino). In: Kult der Vorzeit in den Alpen. Opfergaben - Opferplätze - Opferbrauchtum, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck (Innsbruck 1997) 101. - Franco Marzatico, Sanzeno: scavo nel fondo Gremes. Con note topografiche preliminari sull'assetto protourbano dell'abitato "retico", in: Archeologia delle Alpi 1 (1993) 7-73. - Reinhard Spehr, Besprechung von J. Nothdurfter, Die Eisenfunde von Sanzeno, in: Prähistorische Zeitschrift 58 (1983) 275-279.

 

Wolfgang Sölder