Winkler-Werner-Bibliothek  

Winkler-Werner-Bibliothek

 

Exlibris, im Auftrag des Museums angefertigt, A. 20. Jahrhundert
Papier, 110 x 70 mm; li.: Stadtapotheker Franz Winkler (1833-1895 Innsbruck), re.: Magistratsrat Dr. Franz Werner (1829-1903 Innsbruck)

Bibliothek, Inv.-Nr. Exlibris-Sammlung Carl Juda

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Drei Signaturenreihen verwendet die Bibliothek: die Dip.-Signatur für die ehemalige Privatbibliothek di Paulis, die laufende FB- und die heute nur mehr selten vergebene W-Signatur. Entgegen der gängigen Meinung stammt der mit "W" bezeichnete Bestand aber nicht unbedingt von Winkler und Werner. Selbst das im Auftrag des Museums angefertigte Exlibris ist kein Indiz dafür, dass das damit bezeichnete Buch einst durch einen der beiden ins Haus gekommen sein muss. Ursache für diesen eher verwirrenden Befund ist, dass beide starben, als Fischnaler die Bibliothek neu aufstellte. In der Generalversammlung 1908 wurde berichtet, dass die zwei neu eingeführten Abteilungen, die "Bibliotheka (sic!) Tyrolensis Ferdinandei" (7893 Bände) und die "Bibliothek Werner-Winkler" "so genannt zur ehrenden Erinnerung an die hervorragenden Wohltäter derselben, Dr. Franz Werner, Magistratsrat und Franz Winkler, Stadtapotheker hier" (11.422 Bände), fertig geordnet seien (Vereinsnachrichten 1908, XIII). Fischnaler ergänzt dazu (Innsbrucker Chronik 3, 126), die FB-Signaturen seien "vorwiegend aus älteren losen Beständen", die W-Signaturen "aus dem mannigfaltigen Zuwachs seit 1886" entstanden.

 

Dennoch: Winkler wie Werner waren bemerkenswert uneigennützige Förderer vor allem der Bibliothek: In der Generalversammlung 1896 dankte man Franz Winklers Erben für die Überlassung wertvoller auf Tirol bezüglicher Drucke wie 92 weiterer Tirolensien (Vereinsnachrichten 1896, IX).

 

1903 vermerkt der Jahresbericht: Die Bibliothek "hat heuer unstreitig den Löwenanteil eingeheimst ... durch die großmütige, nach jeder Hinsicht bedeutsame Schenkung, mit welcher sie Herr Magistratsrat Dr. Franz Werner bedacht hat." Aus seiner Büchersammlung "hat er nun nicht nur einzelne besonders kostbare Stücke dem Museum selbst als Geschenk übermittelt, sondern direkt die Erlaubnis erteilt, all dasjenige was aus irgend einem Grunde für die Tirolensien Bibliothek des Museums von Wert wäre", auszuwählen (Vereinsnachrichten 1903, XIf). Komplettiert wurde dieses Geschenk (109 Urkunden, 63 z. T. mehrbändige Handschriften, 293 Druckwerke) im darauf folgenden Jahr, in welchem man zwar Werners Tod beklagte, dieser jedoch noch "auf seinem Krankenlager ... festsetzte, dass aus seiner damals noch vorhandenen Büchersammlung überhaupt die Tirolensien ausgeschieden würden, wobei alle nicht dauernd in der Museumsbibliothek einverleibten Werke verkauft werden, der Erlös aber zur Hälfte dem Ferdinandeum zufallen sollte." Gegen eine Abfindung von 400 Kronen verzichteten die Erben auf ihren Anteil an den Büchern (Vereinsnachrichten 1904, VI).

 

Der größere Teil der Buchgeschenke der Paten der W-Signatur dürfte unter FB eingestellt sein!

 

Mehr zu Exlibris allgemein und zur Sammlung Carl Juda unter 1950


Literatur
Zu den angedeuteten Inkonsequenzen in der Signaturenvergabe s.: Ellen Hastaba, Franz Winkler - Der erste Teil der Werner-Winkler-Bibliothek? In: Die Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Die Geschichte ihres Bestandes. Ihre Funktion als Museums- und Tirolensienbibliothek. 1823-1900, bibliothekarische Hausarbeit (Innsbruck 1997) 75-79. - Konrad Fischnaler, Innsbrucker Chronik in vier Teilen (Innsbruck 1929-30).

 

Ellen Hastaba