Plan der Stadt Innsbruck, 1723  

Plan der Stadt Innsbruck, 1723

 

Franz Hieronymus Rindler (* Innsbruck 1647)
Federzeichnung aquarelliert, ca. 605 x 763 mm
bez. o.: WARE ABBILDVNG DER KAISERLICHEN HAVBT VND RESIDENZSTAT YNSBRVGG.IN DER GEFYRSTEN GRAFSHAFT TYROL LIGENT PER FRANC.HIERONYMO RINDLER P.ANNO 172[3]

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Kartographie K XIV/2

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Franz Hieronymus Rindler, Sohn des in Schwaben geborenen und 1639 nach Innsbruck eingewanderten späteren Hofmalers Hieronymus Rindler (1609-1674), malte vor allem Miniaturen und Bühnendekorationen. Bekannt geworden ist Rindler allerdings durch seine beiden Pläne von Innsbruck - eigentlich Ansichten aus der Vogelschau -, die zum ersten Mal den gesamten Baubestand der Stadt am Anfang des 18. Jahrhunderts aufzeigen. Rindler malte seinen ersten Plan bereits 1712, sodass durch Vergleiche mit dem späteren, aus dem Jahr 1723 stammenden, die Veränderung des Stadtbildes festgestellt und eine genauere Datierung bestimmter Gebäude vorgenommen werden kann.

 

Die Altstadt von Innsbruck hatte damals noch mittelalterlichen Charakter. Alle vier Tore sind deutlich zu erkennen: das Inntor bei der Innbrücke, der Wappenturm am nordöstlichen, das Vorstadttor am südlichen und das Pickentor am südwestlichen Eingang der Stadt. Es sind auch noch Teile des Stadtgrabens erhalten, während die Stadtmauer durch die angebauten Häuser nicht mehr als eigenständige Mauer zu erkennen ist. Besonders interessant ist die Ausweitung der Stadt vom Stadtkern aus in drei Richtungen: Im Südwesten hat sich beim Pickentor bereits ein Teil des heutigen Innrain gebildet. Die Straße gegen Wilten (Süden) wird von zwei Häuserreihen gesäumt. Im Nordosten reichen die Gebäude schon bis zur Sill, wobei dieser Teil der Stadt aufgrund der Betriebe entlang des Sillkanals (Sillgasse) schon mit der Neustadt (Maria-Theresien-Straße) zusammenzuwachsen beginnt. Auffallend sind die vielen Ansitze des Adels, der zu dieser Zeit meist schon seine Burgen verlassen und sich in der Stadt neue Palais gebaut hat (Hammer, 97-100).

 

Die Initiative zur Erwerbung des Planes ging wieder einmal vom Ferdinandeum selbst aus: Am 4. Juli 1902 schreibt Vorstand Wieser an den Maler Josef Hirner in Schwaz, er habe gehört, dass Hirner ein Ölgemälde mit einer Totalansicht von Innsbruck aus dem Jahr 1723 bei der Kunst- und Gewerbeausstellung in Schwaz zum Verkauf anbiete. Da man das Gemälde mit den anderen Innsbruck-Ansichten im Museum vergleichen wolle, bitte er ihn, die Ansicht mit der Post zu senden und seine Vorstellungen bezüglich der Höhe des Kaufpreises bekannt zu geben. Hirner kündigt daraufhin durch eine Correspondenz-Karte an, dass er selbst mit dem Objekt vorbeikommen werde (MA 1902, 245). Im JB 1902, XII wird der "leider etwas defekte Plan von Innsbruck" unter den käuflichen Erwerbungen hervorgehoben. Der Maler Josef Hirner hatte dafür 40 Kronen erhalten (EB 1902).


Literatur
Konrad Fischnaler, Innsbrucker Chronik 5: Neue Beiträge mit dem Innsbrucker Künstler-Kreis 1209-1928 (Innsbruck 1934) 189. - Heinrich Hammer, Die Rindlerschen Stadtpläne von 1712 und 1723. In: Alt-Innsbrucker Studien (Innsbruck 1942) 97-104.

 

Claudia Sporer-Heis