Mandoline, 1775  

Mandoline, 1775

 

Johann Georg Psenner (Innsbruck 1775 - um 1800 Innsbruck)
GesL 576 mm

Musiksammlung, Inv.-Nr. 43

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Die Mandoline von Johann Georg Psenner gehört zu den besonderen Kostbarkeiten der Musiksammlung - sie gilt als eine der frühesten außerhalb Italiens gebauten Mandolinen. Das zierliche Meisterinstrument ist weitgehend original erhalten. Seine Form entspricht jener der "neapolitanischen" Mandoline mit tiefbauchigem, halbbirnenförmigem, aus schmalen Spänen zusammengesetztem Holzkorpus mit unten abgeschrägter Holzdecke. In die Decke eingelegt ist ein Schutzblatt gegen Kratzer des Plektrums, mit dem die Mandoline gespielt wird. Der kurze Hals mit 14 in das Griffbrett eingelassenen Bünden läuft aus in ein etwas zurückgeneigtes Wirbelblatt, das am Rand mit 13 größeren und 10 kleinen Beinknöpfchen verziert ist. Vier zweifache Saitenchöre sind geführt über einen niedrigen Steg zu den am unteren Außenrand des Korpus befestigten Saitenknöpfchen ("Patronen") aus Bein. Die besondere Sorgfalt der Fertigung zeigen auch die kunstvollen Verzierungen um das offene Schalloch sowie Einlegearbeiten auf Decke und Griffbrett. Die Mandoline war vor allem in Italien beliebt und kam von dort über reisende Virtuosen im Verlauf des 18. Jahrhunderts auch nach Österreich und Deutschland. Berühmte Komponisten haben für die Mandoline geschrieben. Mozarts zwei Lieder für Sopran und Mandoline und Beethovens vier Stücke für Mandoline und Klavier sind im Klang der Mandoline von Psenner auf der CD "Musikinstrumente des Ferdinandeums 4" erstmals mit Originalinstrumenten dokumentiert.

 

Johann Georg Psenner wurde 1747 als Sohn des gleichnamigen Instrumentenmachers geboren. Erste Erfahrungen sammelte er in der Werkstatt seines Vaters, der ihn schon bald nach Mittenwald in die Lehre des vorzüglichen Geigenbauers Georg Klotz schickte. Nach seiner Lehrzeit und den Wanderjahren hat sich Psenner in Innsbruck niedergelassen. Experten zählen ihn zu den sehr guten Meistern der deutschen Schule.


Manfred Schneider