Pannonische Trompetenfibel  

Pannonische Trompetenfibel

 

2. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr.
Innsbruck-Hötting, Fuchseck
Bronze, L 3,6 cm, B 3,8 cm, GesL 8,8 cm

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 4.123

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Diese römische "Sicherheitsnadel" oder Brosche wird im Archäologendeutsch zweigliedrige Bronzefibel der Form Almgren 86 bzw. pannonische Trompetenfibel genannt. Die Spiralkonstruktion besitzt 18 Windungen mit oberer Sehne und Sehnenhaken, der eine kreuzförmige Verzierung aufweist. Die Stützplatte ist langgezogen, der trompetenförmige Kopf ist mit Längs- und Querrillen verziert. Der untere Kopfrand ist mit dem mächtigen Bügelknoten verschmolzen. Der mehrfach profilierte Bügelknopf zeigt im Bereich des Nadelhalters einen scharfen Grat. Der Fußknopf ist einfach mit einem kleinen spitzen Fortsatz. Der geschlossene Nadelhalter ist rechteckig und hoch. An der äußeren Sehne und am Sehnenhaken ist jeweils ein Kettchen, bestehend aus je 5 einfachen Gliedern, mit breitlanzettförmigen Klapperblechen mit Fortsätzen eingehängt. Der Sehnenhaken besitzt eine im Guss vorgesehene Öse zur Aufnahme des Kettchengliedes. Die unterschiedlich großen, aus Bronzeblech geschnittenen Klapperbleche sind mit umlaufendem und in der Mitte durchgehendem Punzdekor verziert.

 

Die Fibel kam am 10. April 1895 als Geschenk von H. v. Hörmann in das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, der sie am Südhang des Fuchsecks bei oberflächlicher Schürfung gefunden hatte (EB 1895; Zs TLMF 1895, XXIV Nr. 10).

 

Die Verbreitung der pannonischen Trompetenfibeln ohne Stützplatte liegt vor allem in den vormaligen römischen Provinzen Pannonien und Noricum, diejenigen mit Stützplatte finden sich fast ausschließlich in der Provinz Raetien. Das ältere Element der angehängten Klapperbleche ist vor allem an römischen Schmuckelementen aus dem alpinen Bereich anzutreffen, wie sie etwa bei einer Zangenfibel aus Riva (Provinz Trient), Klapperblechen vom Fundplatz Innsbruck-Wilten (SW-Ecke), beim Schmuckgehänge von Mühlbachl (BH Innsbruck-Land) oder auch am Brandopferplatz von Mechel (Provinz Trient) bekannt sind.

 

Vom Fuchseck sind ein Bronzehelm, etwas Keramik und die Fibel bekannt geworden. Der verschmolzene Helm vom Typ Negau, einem alpinen Typ mit Flechtbandzier vom Castieler Kreis, welcher in die Stufe LT D (1. Jh. v. Chr.) zu datieren ist, lässt uns zusammen mit der exponierten Lage des Hügels an eine Interpretation des Fundortes als Kultplatz denken (?). Die Fibel kann dann als Hinweis auf Schmuckopfer gedeutet werden.


Literatur
Oscar Almgren, Studien über nordeuropäische Fibelformen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte, mit Berücksichtigung der provinzialrömischen und südrussischen Formen (Stockholm 1897) = Mannus-Bibliothek 32 (Leipzig-Würzburg 1923). - Gero Merhart, La Tène-Funde aus Tirol, in: Wiener Prähistorische Zeitschrift 13 (1926) 65-81. - Leonhard Franz, Zu den Helmhüten der Ostalpenländer. In: Beiträge zur älteren europäischen Kulturgeschichte 2 (Festschrift für Rudolf Egger, Klagenfurt 1953) 223-232. - Egon Moser, Vorgeschichtliche Siedlungs- und Fundtopographie von Innsbruck-Hötting, in: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien 100 (1970) 194-206, Taf. 8 oben. - Hans-Jörg Ubl, Die Ur- und Frühgeschichte Innsbrucks. In: Die profanen Kunstdenkmäler der Stadt Innsbruck außerhalb der Altstadt (Österreichische Kunsttopographie 45, Wien 1981) 685-738, bes. 732; Abb. 62b. - Markus Gschwind / Salvatore Ortisi, Zur kulturellen Eigenständigkeit der Provinz Raetien - Almgren 86, die raetische Form der sog. pannonischen Trompetenfibeln, in: Germania 79, 2001, 401-416.

 

Anton Höck