Kontrabass, um 1650  

Kontrabass, um 1650

 

Jakob Stainer (Absam um 1617-1683 Absam)
GesL 1835 mm

Musiksammlung, Inv.-Nr. 32

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Jakob Stainer aus Absam, "Vater der deutschen Geige", gilt als einer der berühmtesten Instrumentenbauer. Museen und Musiker in aller Welt zählen Instrumente des Tiroler Meisters zu ihren erlesenen Kostbarkeiten. Das Ferdinandeum besitzt als einzige Sammlung ein vollständiges Streichquintett (zwei Violinen, darunter die letzte von 1682, die der Stainer-Forscher Walter Senn als die "Krönung" im Schaffen Stainers bezeichnete, zwei Bratschen und ein aus einer Tenorviola umgearbeitetes Violoncello), weiters eine als Violoncello umgearbeitete Gambe und einen besonders wegen seiner Seltenheit wertvollen Kontrabass, den Stainer angeblich 1653 für das königliche Damenstift in Hall gebaut hat. Nach Aufhebung des Stiftes im Jahr 1783 gelangte das Instrument zuerst in den Bestand der Pfarrkirche in Hall und schließlich 1894 an das Ferdinandeum.

 

An kaum einem Instrument der Sammlung lässt sich die Problematik Originalsubstanz und nachträgliche Veränderung von anderer Hand so eindrücklich ablesen wie an diesem Kontrabass. Bereits um 1690 hat der Rattenberger Geigenmacher Christof Klingler, der außer bei seinem gleichnamigen Vater möglicherweise auch bei Stainer gelernt hat, erste Reparaturen und wahrscheinlich auch geringfügige Veränderungen vorgenommen. Fest steht, dass der am mit barocken Verzierungen geschmückten Wirbelkasten befestigte, besonders schöne Mohrenkopf (in der Art des Jakob Rauch) erneuert wurde, und dass heute kaum noch Originalsubstanz des ursprünglichen Lacks feststellbar ist. Auch das Griffbrett stammt von späterer Hand, während der formschöne Korpus in Gambenform durch die Meisterhand Stainers geprägt erscheint. Eine weitere Reparatur hat um 1790 der Innsbrucker Lauten- und Geigenmacher Johann Georg Psenner durchgeführt (mehr zu ihm unter 1898). Noch in unserem Jahrhundert wurden erneut Reparaturarbeiten nötig und von Franz Nosek, Innsbruck, und Carl Sandner, Mittenwald, bewerkstelligt. Trotz aller Retuschen blieb der Kontrabass ein Beispiel bewunderungswürdiger Handwerkskunst, wenngleich auch die Echtheit des Werkes Stainers teilweise in Frage gestellt wird.


Jakob Stainer, Kontrabass, Detail: Wirbelkasten mit Mohrenkopf
Musiksammlung, Inv.Nr. 32



Literatur
Erich Egg, Jakob Stainer und seine Zeit, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1983 (Innsbruck 1983). - Walter Senn / Karl Roy, Jakob Stainer (Frankfurt a. M. 1986).

 

Manfred Schneider