Kreuzenthüllung auf dem Hochfelln im Chiemgau, 1886  

Kreuzenthüllung auf dem Hochfelln im Chiemgau, 1886

 

Josef Wopfner (Schwaz 1843-1927 München)
Öl auf Pappe, 23 x 31 cm
bez. li. u.: J. Wopfner

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 873

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Der seit 1860 in München ansässige Tiroler Maler Josef Wopfner gehört zum Kreis um Karl Raupp, des Begründers der Malerkolonie auf Frauenwörth am Chiemsee. Gemeinsam mit ihm gilt er als der Chiemseemaler. Von 1869 bis 1872 ist Wopfner an der Münchner Akademie Schüler bei Karl Theodor von Piloty. Daneben verarbeitet er Impulse des Landschaftsmalers Eduard Schleich d. Ä., die bestimmend für seine Chiemseebilder werden. Nach einer frühen Schaffensphase mit großformatigen Werken malt er nicht zuletzt unter dem Eindruck einer Frankreichreise 1887 zumeist kleinformatige Bilder, in denen er in impressionistischer Gestaltung die unterschiedlichen Stimmungen des Sees, die Fischer und Bauern sowie die Landschaft am Chiemsee zum Ausdruck bringt.

 

Im Gemälde "Kreuzenthüllung auf dem Hochfelln im Chiemgau" macht sich dies bereits sichtbar. Im Gegensatz zu seinen Bildern der Frühzeit, in denen der Künstler noch versuchte, die Gruppen und größeren Ansammlungen von Menschen mittels klarer Umrisse in den Griff zu bekommen, werden hier sowohl die Menschengruppe als auch die Landschaft zu einem einzigen Gewebe von Licht- und Farbtupfern. Zwar hält sich Wopfner bei der Gestaltung im Sinne der Piloty-Schule an die historische Treue. Zugleich entwickelt er jedoch eine stärkere Sensibilität in der Schilderung der zufälligen Lichterscheinung im Naturraum. In ungekünstelter Nuancierung der Farb- und Lichtwerte integriert der Künstler die Menschen in die sie umgebende Natur. Aufgrund der genauen Datierbarkeit des Ereignisses (22. August 1886) konnte Wolfram Wieser (1971, 101) in seiner Dissertation über Josef Wopfner die genaue Entstehungszeit eruieren. Damit gehört das mit einer ausgewogenen Pinseltechnik geschaffene Bild zu den wenigen sicher datierbaren Werken Josef Wopfners.

 

Das kleine Gemälde wurde 1893 als "Oelfarben-Skizze" direkt beim Künstler aus den Mitteln des Tschager-Fonds (mehr dazu unter 1856) erworben (EW 1893, 9. September, Nr. 13 bzw. JB 1894, XXIII). Tatsächlich mutet einer Reihe von Bildern Wopfners etwas Studien- und Skizzenhaftes an. Die Menschen und Landschaften sind, so Alexander Rauch (1989, 39) bei Wopfner nicht selten "so gemalt, wie man sie sieht, wenn man die Bewegung des Auges plötzlich innehält ... Der Blick in die Landschaft ... wird zum Ausschnitt ohne jedes Bemühen nach akademischer Abrundung, kaum kompositionell ,gebaut', kühn in seiner Zufälligkeit."

 

Wopfners "Kreuzenthüllung" stellt innerhalb der Gemäldesammlung des Ferdinandeums ein wichtiges Beispiel für die stimmungsvolle Münchner Landschaftsmalerei des späten 19. Jahrhunderts dar.


Literatur
Wolfram Wieser, Der Landschaftsmaler Josef Wopfner. Phil. Diss. (Innsbruck 1971) 101f, 200, Kat.Nr. 121. - Gert Ammann, Vom Impressionismus zum Jugendstil, Katalog Tiroler Landesmuseum, Innsbruck, Schloß Maretsch, Bozen, und Palazzo delle Albere, Trient 1983 (Innsbruck 1983) 17, 141 (Abb.), 144, Kat.Nr. 41. - Josef Wopfner 1843-1927, Monographie von Irmgard Rauch (Werkverzeichnis) und Alexander Rauch (Text) (Rosenheim 1989) 93 (Abb.), 197, Kat.Nr. 172.

 

Günther Dankl