Flügelaltar, um 1550  

Flügelaltar, um 1550

 

Mit Darstellungen aus dem Leben und der Passion Christi nach der Holzschnittfolge der "Kleinen Passion" von Albrecht Dürer (1510)
Limoges, 36 Emailtafeln, Mittelstück 18 Tafeln, Flügel je 9 Tafeln, jeweils von einem marmorierten Holzrahmen mit Vergoldungsresten eingefasst, die einzelnen Emailtafeln durch Holzleisten getrennt, Maleremail auf Kupfer, Maße pro Emailtafel ca. 15,5 x 13 cm, Gesamtmaße Mittelstück 67,2 x 102 cm, Gesamtmaße Flügel je 67,2 x 50,9 cm,
aus dem Ansitz Zimmerlehen bei Völs am Schlern

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. K 1032

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Die Emailtafeln zeigen in drei übereinanderliegenden Reihen jeweils von links nach rechts folgende Szenen: Oberste Reihe: Sündenfall, Vertreibung aus dem Paradies, Verkündigung, Geburt Christi, Einzug in Jerusalem, Christus vertreibt die Händler aus dem Tempel, Christus nimmt Abschied von seiner Mutter, Letztes Abendmahl, Fußwaschung, Christus am Ölberg, Gefangennahme Christi, Christus vor Annas. Mittlere Reihe: Christus vor Kaiphas, Verspottung Christi, Christus vor Pilatus, Christus vor Herodes, Geißelung, Dornenkrönung, Ecce Homo, Pilatus' Handwaschung, Kreuztragung, Veronika mit dem Schweißtuch, Kreuzigung Christi, Christus am Kreuz. Untere Reihe: Christus in der Vorhölle, Kreuzabnahme, Beweinung, Grablegung, Auferstehung, Christus erscheint seiner Mutter, Noli me tangere, Christus in Emmaus, Der ungläubige Thomas, Himmelfahrt, Pfingstwunder, Jüngstes Gericht.

 

Als Emailmaler der Tafeln werden Colin Nouailher, um 1588 (Semper, 78), Pierre Reymond (Limoges um 1513 - kurz nach 1584 Limoges), um 1550 (Zimmeter, 23), oder ein Künstler aus dem Umkreis der Werkstatt von Léonard Limosin (Limoges um 1505 - um 1575/77 Limoges ?) genannt (mündliche Mitteilung von Sophie Baratte, Conservateur, Département des Objets d'Art, Musée du Louvre Paris).

 

Die Flügelrückseiten wurden mit großer Wahrscheinlichkeit von einem einheimischen Künstler bemalt: In von Blattwerk umrahmten Medaillons sind links die Kreuzigung sowie das Wappen Ferdinand von Kuepachs und rechts die Krönung Mariens sowie die Wappen Eva Puechers und Katharina von Trapps, Gattinnen Ferdinands, zu sehen.

 

Die Predella befindet sich heute noch auf Ansitz Zimmerlehen. Sie zeigt die Weiheinschrift der Kapelle mit dem Datum 6. August 1594 sowie die Allianzwappen der Familien Kuepach-Trapp.

 

1892 erwarb Hermann Ritter von Widmann-Staffelfeld-Ulmburg aus Bozen den Altar um 22.000 Gulden aus dem Kunsthandel und schenkte ihn gemeinsam mit einem Glasgemälde (Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. GL 533), welches das Kuepachsche Wappen zeigt und ebenfalls aus dem Ansitz Zimmerlehen stammt, dem Land Tirol, das beide Kunstwerke dem Ferdinandeum übergab (MA 1892, 59).


Wappenscheibe des Ferdinand von Kuepach, 1592
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. GL 533



Literatur
Bote für Tirol und Vorarlberg 299 (31. 12. 1886) 2536; 7 (11. 1. 1887) 53; 212 (17. 9. 1892) 1803; 295 (27. 12. 1892) 2464. - Heinrich Zimmermann, Der Email-Altar von Zimmerlehen, in: Wiener Zeitung 262 (13. 11. 1892) 1f. - Hans Semper, Emailaltar aus dem Ansitze Zimmerlehen, in: Mittheilungen der k. k. Central-Commission NF (1894) 78. - Kunibert Zimmeter, Die Kunstgewerblichen Sammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, in: Tirol (1930) 27f. - Anselm Sparber, Aus der Geschichte der Völser Pfarrgemeinde, in: Der Schlern (1930) 164ff.

 

Eleonore Gürtler