Drei Sommer in Tirol  

Drei Sommer in Tirol

 

Aus dem Nachlass Ludwig Steub (Aichach 1812-1888 München)
abgebildet: Beginn des "Vorworts" zur 1. Auflage (gedruckt 1846)
Papier, 340 x 205 mm

Bibliothek, Inv.-Nr. Nachlasssammlung

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Der Maler Alois Gabl wies das Museum im Mai 1890 darauf hin, Steubs Sohn sei geneigt, den Nachlass seines Vaters nach Innsbruck abzugeben, "möchte aber nicht gerne den ersten Schritt tun, sondern hätte gerne, wenn er von der Leitung ... darum angegangen werde." Franz Wieser schrieb umgehend Konsul Ludwig Steub: "Bei den gründlichen Forschungen des Verewigten über Tirol, und bei seinen Beziehungen zu Tirolischen Gelehrten u. Schriftstellern, unterliegt es gar keinem Zweifel, daß die eigenhändigen Aufzeichnungen desselben sowie der Briefwechsel mit Tirolern (Beda Weber, Dr. Streiter, Gilm u. v. a.) für die Bibliothek des Ferdinandeums von hervorragendstem Interesse sein würde. Dieses schon an u. für sich hochbedeutsame Material würde im Vereine mit unseren umfassenden bibliographischen Schriften über einschlägige tirolische Verhältnisse u. im Zusammenhange mit den bereits hier befindlichen handschriftlichen Aufzeichnungen Fallmerayers, Ruefs, Gilms u. anderer Freunde Dr. Ludw. Steubs, zu einer ungewöhnlich reichen Quelle für die Literaturgeschichte und Landeskunde von Tirol. Im Auftrage des Museums-Ausschusses erlaube ich mir nun an Eu. Wohlg. die ergebene Bitte zu richten, daß Sie wenn möglich den ganzen auf Tirol bezüglichen Nachlaß Ihres Herrn Vaters (Studien, Aufzeichnungen, Zeitungsartikel, Broschüren u. besonders den Briefwechsel) in unserer Bibliothek deponieren u. dadurch denselben der allgemeinen fachmännischen Benutzung zugänglich machen." Wie von Gabl angekündigt, kam Steub jun. dieser Bitte fast umgehend nach, und fünf Kisten zu 417 (sic!) Kilogramm, gefüllt mit Büchern und Schriftstücken, gingen - ohne Wertangabe - nach Innsbruck ab. Am 9. August bestätigte das Museum den Empfang und hielt Bedingungen für die Nachlassbenützung fest: "Die in den Manuscripten L. Steubs und den Briefen an ihn enthaltenen Personalien dürfen nur gegen specielle Erlaubnis des Herrn Consul L. Steub ... publiciert werden. Das Ferdinandeum verpflichtet sich auf Verlangen des Herrn Consul L. Steub ... die ganze Sammlung oder einzelne Theile derselben jederzeit unverzüglich zurückzustellen."

 

Ein früher Benützer war Steub jun. selbst, der 1894 alles bezüglich "Drei Sommer in Tirol" für eine Neuausgabe ausborgte (MA 1894, 225; MA 1895, 53). Dieses 1846 erstmals erschienene Hauptwerk brachte Steub den Ehrentitel "Pfadfinder von Tirol" ein, auch wenn der materielle Erfolg ausblieb; verbittert notierte er: "Mit den fünf gebundenen und den zwei ungebundenen Freiexemplaren, die ich 1846 an meine Freunde in Tirol sandte, war der ganze Lesebedarf des Landes gedeckt." (zit. bei Fontana, 689)

 

Für die im Auftrag des Ferdinandeums einheitlich gebundenen Bücher Steubs wurde 1909 ein eigenes Exlibris gedruckt.


Exlibris, angefertigt im Auftrag des Museums zur Kennzeichnung der "Bibliothek Steub"
Bibliothek, FB 12.034
Mehr zu Exlibris allgemein unter 1950



Literatur
Sämtliche Schriftstücke zur Erwerbung des Steub-Nachlasses unter MA 1890, 79. - A[lois] Dreyer, Ludwig Steub und Tirol, in: Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg 56 (1912) 71-114. - Josef Fontana, Von der Restauration bis zur Revolution (1814-1848). In: Josef Fontana / Peter W. Haider / Walter Leitner u. a., Geschichte des Landes Tirol 2 (Bozen-Innsbruck-Wien 1986) 689. - Ludwig Steub zum 100. Todestag am 16. März 1988, Festschrift, hg. von der Stadt Aichach (o. O. o. J. [Aichach 1988]). - Sigurd Paul Scheichl, Bayerische Schriftsteller über Tirol. In: Bayerisch-tirolische G'schichten ... eine Nachbarschaft. Katalog Tiroler Landesausstellung Kufstein 2 (Innsbruck 1993) 216-227. - Silvia Zust, Briefe an Ludwig Steub (1812-1888). Zusammengestellt aus dem Nachlaß im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Typoskript (erster Teil einer im Entstehen begriffenen Dissertation über Ludwig Steub, Innsbruck 1997). - Zur Erwerbung ausführlicher: Ellen Hastaba, Die Bibliothek und der Nachlaß Ludwig Steubs - Die Bibliotheca Steubiana. In: Die Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Die Geschichte ihres Bestandes. Ihre Funktion als Museums- und Tirolensienbibliothek. 1823-1900, bibliothekarische Hausarbeit (Innsbruck 1997) 71-75.

 

Ellen Hastaba