Biblia sacra, Ende 13./Anfang 14. Jahrhundert  

Biblia sacra, Ende 13./Anfang 14. Jahrhundert

 

Aus den Sammlungen des Statthaltereirats Johann Wieser (Meran 1806-1886 Innsbruck)
Pergament, 145 x 100 mm, 629 Blätter, brauner Renaissance-Ledereinband mit Messingschließen, aufgeschlagen fol. 237v/238r

Bibliothek, Inv.-Nr. FB 1120

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Nicht ungetrübt war die Freude über die testamentarische Verfügung Johann Wiesers: "Noch eben erst fühlte sich das Museum durch die Vollendung des Aufbaues von dem Gefühle langjähriger Beengung befreit, und schon wieder überfällt es die Verlegenheit des Reichthums in Folge der eben erwähnten nach Tausenden zählenden Gegenstände, mit welchen das Wieser'sche Legat das Museum buchstäblich überhäuft." (Vereinsnachrichten 1886, VIIIf)

 

Die übergebenen Objekte wurden in wochenlanger Arbeit von den Fachdirektoren gesichtet und geordnet: Emil von Ottenthal nahm sich der Urkunden und Siegel an; Franz Wieser, Neffe des Verstorbenen, der Handschriften, Drucke, Gemälde, Handzeichnungen und Aquarelle, Kupferstiche, Autographe, der Plastik und des Kunstgewerbes; Arnold Busson der Münzen und Waffen (Zs TLMF 1887, 247-265).

 

Für die Bibliothek bedeutete das folgenden - rein zahlenmäßigen - Zuwachs: 29 Manuskriptbände, 1827 gedruckte Titel "in beiläufig 2400 Bänden, wobei die kleinern Broschüren nicht mitgerechnet sind. Ihrem Inhalte nach wird die Hauptmasse gebildet von Werken aus dem Gebiete der Geschichte und Culturgeschichte (474 Nummern) und Classikern, sowie literargeschichtlichen Werken (422 N.), sodann folgen rechts- und staatswissenschaftliche (274 N.), theologische (213 N.), kunstgeschichtliche (176 N.), geographische (145 N.), medizinische (82 N.), naturwissenschaftliche (74 N.), philosophische (57 N.), kriegswissenschaftliche (36 N.) Werke etc." (Zs TLMF 1887, 250f) In der zeitlichen Ordnung nennt Wieser: 35 Inkunabeln; "ungefähr 50 Werke, darunter sehr schöne Ausgaben lateinischer und griechischer Classiker", gedruckt zwischen 1501 und 1525; "Drucke aus der Blütezeit des Buchdruckes im XVI. und XVII. Jahrhundert" waren vertreten mit Aldinen, Elzeviren und Werken aus der Officina Plantiniana. Gesondert aufgenommen wurden die "illustrierten Werke", worunter Wieser vor allem die mit Holzschnitten reich ausgestatteten Drucke des 16. Jahrhunderts zusammenfasste. 16 Faszikel im Folioformat mit über 3000 Nummern füllte die Sammlung der Einblatt-Drucke. Ebenfalls der Bibliothek zugute kamen die von Johann Wieser selbst alphabetisch geordneten Autographe, die zum Zeitpunkt der Übergabe an die 50.000 Blatt umfasst haben sollen. - Ein Großteil des Legats gilt heute leider als verschollen!

 

Die stellvertretend ausgesuchte Bibel beschreibt Franz Wieser in seiner ersten Übersicht wie folgt: "Heilige Schrift, lateinisch; zierliche Perg. Hs. des XIV. Jhg. (sic!) in 12°. Reizende Initialen, prachtvoll gepresster Leder-Einband." Bedeutend ist auch der noch erhaltene Anteil der Handschriften aus der so genannten Annenberger-Bibliothek.


Josef Büche (1848-1917), Johann Wieser, 1882
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1999



Literatur
Arnold Busson, Johann Wieser k. k. Statthaltereirath i. P. Ein Nachruf im Auftrage des Museums Ferdinandeum, in: Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg 30 (1886) 3-7. - C[onrad] F[ischnaler] u. a., Bericht über die Sammlungen des k. k. Statthaltereirathes Johann Wieser. Anhang zu dem speciellen Ausweise über die Vermehrung der Sammlungen des Ferdinandeums im Jahre 1886, in: Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg 31 (1887) 242-265. - Karl Schadelbauer, Die Annenberger Bücherei und ihre Handschrift über die Notariatslehre, in: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum 12 (1932) 197-206. - Zu FB 1120: Hermann Julius Hermann, Die illuminierten Handschriften in Tirol (Beschreibendes Verzeichnis der illuminierten Handschriften in Österreich 1, Leipzig 1905) 90f. - Josef Weingartner, Die frühgotische Malerei Deutschtirols (Wien 1916) vor allem 65, Abb. 32.

 

Ellen Hastaba