Goldblattkreuz  

Goldblattkreuz

 

2. Viertel 7. Jahrhundert n. Chr.
aus dem "Fürstengrab von Civezzano", 14 x 14,2 cm
Civezzano (Provinz Trient), Gruft II

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 8.267-8.274, 8.280-8.285, 8.292, 8.255, 8.256, 8.317

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1885 wurde dem Ferdinandeum von einem Antiquar namens Überbacher aus Bozen ein Grabensemble aus Civezzano angeboten. Die Bestattung aus Gruft II enthielt folgende Beigaben:

 

Spatha aus Eisen, zweischneidiges Schwert, Länge 82 cm; Sax aus Eisen, einschneidiges Schwert, Länge 37 cm; 3 dreiflügelige Pfeilspitzen mit geflammten Flügeln awarischer Art, Eisen, Länge 4,9-6,1 cm; Lanzenspitze (nicht mehr vorhanden), Eisen, Länge 27,5 cm; Gürtelbeschlag aus Bronze mit verzinnter Schauseite, Länge 4,5 cm; verzierte Bronzeblechstreifen von kleinen Holzbechern, Gesamtlänge 10 cm; Pyramidenknopf, Bronze, Länge 2,5 cm; Goldfäden vom Gewand, Gesamtgewicht ca. 7 g; Gürtelschließe und 2 Riemenzungen aus Eisen mit Tierornament in Silbertauschierung, Länge Riemenzungen 6,5 und 3,4 cm, Länge Schließe 9 cm; Schere, Eisen, Länge 23 cm; Schildbuckel mit vergoldetem Zierbeschlag in Kreuzform, auf der Krempe fünf Bronzenägel mit vergoldeten Zierscheiben, Durchmesser 21,3 cm, Höhe 10 cm; Schildfessel und sechs Schildknöpfe mit vergoldeten Zierscheiben; Goldblattkreuz, im Zentrum nach links blickender Adler in Perlkreis, 14 x 14,2 cm (siehe Abbildung); antikes Bronzeblechbecken, vielfach alt repariert, Durchmesser 42,3 cm; Eisenbeschläge von einem Holzeimer, auf Rekonstruktion montiert, Höhe des rekonstruierten Eimers 27 cm; Eisenbeschläge, modern auf Sarg aus Lärchenbrettern montiert, Länge des Sarkophages 2,36 m, Höhe 0,8 m, Breite 0,8 m.

 

Das zusammen mit einem zweiten Grab 1885 auf einer Plateauzunge beim Dorf Civezzano nordöstlich von Trient entdeckte "Fürstengrab" wurde vom damaligen Abteilungsvorstand Franz von Wieser in seinem wissenschaftlichen Wert erkannt, sein Verdienst ist es auch, dass es am 12. Oktober 1885 für das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum erworben werden konnte (EB 1885).

 

Das im 4. Jh. n. Chr. erzeugte Bronzebecken sowie der Holzeimer gehören zu den Utensilien der Körperpflege. Der "Fürst" war in gestreckter Rückenlage west-ost-orientiert beigesetzt worden. Im sogenannten "Fürstengrab von Civezzano" ist eine mehrfache Verquickung christlicher (Goldblattkreuz) und heidnischer (Tierornament) Symbole festzustellen. Enge wirtschaftliche Beziehungen der Langobarden zu den Völkern am nördlichen Alpenrand lassen sich in den Beigaben nachweisen: der Gürtel mit Nebenriemen ist besonders in den alamannischen Gräbern vorhanden. Besondere Bedeutung erfährt das Grabensemble durch die eisernen Beschläge des Sarges: die Beschläge in Form von Widderprotomen hatten unheilabwehrenden Charakter, man findet sie besonders gerne in der germanischen Mythologie.


Literatur
Franz von Wieser, Das langobardische Fürstengrab und Reihengräberfeld von Civezzano bei Trient, in: Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg, 3. F., 30 (1886) 281-320, Taf. 1-5. - Leonhard Franz, Die Germanenfunde von Civezzano im Tiroler Landesmuseum zu Innsbruck, in: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum in Innsbruck 19 (1939) 297-344, Taf. 1-30. - Liselotte Plank, Eine tauschierte Gürtelgarnitur aus Civezzano, in: Problemi della civiltà e dell'economia longobarda (Economia e Storia 12, Milano 1964) 173-178. - Gianni Ciurletti, Le necropoli langobarde. In: Civezzano. Antologia di studi (Civezzano 1984) 139-152. - Wilfried Menghin, Die Langobarden: Archäologie und Geschichte (Stuttgart 1985) 175-182. - Christian Terzer, Das "Fürstengrab von Civezzano". Eine Neubewertung innerhalb langobardischer hölzerner Leichenbehälter. Diplomarbeit in Vorbereitung (Innsbruck 1998).

 

Anton Höck