Gedenktafel an den Aufschlag des Kaiserstollens im Haller Salzbergwerk, 1563  

Gedenktafel an den Aufschlag des Kaiserstollens im Haller Salzbergwerk, 1563

 

Modell: Alexander Colin (Mecheln/Brabant 1527-1612 Innsbruck)
Guss: Hans Christoph Löffler (? um 1526-1597 ?)
Bronze, 77 x 50 cm
Inschrift am Sockel: Ferdinand von Gottes genaden Erwelter Römischer Kaiser Khünig zu Hung = / ern vnnd Behaim Ertzhertzog zu Osteraich Grave zu / Tirol hat disen Perg selbs auf = / geschlagen vnnd Kaisersperg genennt am.17.tag May Anno dominj.1563.der All = / mechtig Gott verleiche ain reichen Saltzberg alda

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. B 200

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Wie aus der Inschrift der an Motiven und Zierat überreichen Bronzetafel hervorgeht, zeigt sie Kaiser Ferdinand I. im Kreis seiner Hof- und Bergherrn und erinnert daran, wie er am 17. Mai 1563 im Haller Salzbergwerk einen Stollen aufschlug.

 

Alexander Colin führte das Modell nach einem Entwurf des Malers Ludwig Ritterl aus. Krapf, 230, äußert die Vermutung, dass auf dessen Entwurf die für Colin ungewöhnlich reiche landschaftliche Staffage zurückzuführen ist. Den Guss besorgte Hans Christoph Löffler in Büchsenhausen.

 

Das quadratische Bildfeld wird von kannelierten Pilastern mit Löwenköpfen, die Sockelzone mit der Inschrift von zwei Füllhörnern gerahmt. Nach oben hin bekrönt die Tafel ein volutengeschwungener Aufsatz mit zwei stehenden, das kaiserliche Wappen mit der Reichskrone haltenden Greifen, im Dreiecksgiebel darüber ist der Bindenschild zu sehen.

 

Der aus Mecheln stammende Bildhauer Alexander Colin wurde 1562 von Ferdinand I. nach Innsbruck berufen, um am Grabmal Kaiser Maximilians I. mitzuarbeiten. In den Jahren 1564/66 führte Colin die Marmorreliefs für das Hochgrab in der Hofkirche nach Entwürfen des Malers Florian Abel aus. Im Anschluss daran modellierte er den Ornamentfries der Tumba, die vier "Virtutes" auf dem Tumbadeckel und die Figur des knienden Kaisers Maximilian I. als Bekrönung des Hochgrabes.

 

Diese Tafel gelangte zusammen mit einer Bronzetafel nach einem Entwurf von Caspar Gras, welche den Stollenanschlag im Haller Salzbergwerk im Jahre 1648 zeigt (Inv.Nr. B 204, siehe kleines Bild), nach Erlass vom 14. Dezember 1880 der Statthalterei in Innsbruck als Geschenk des k. k. Finanz-Ministeriums an das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (EB 1881, April).


Caspar Gras, Stollenanschlag im Haller Salzbergwerk, 1648
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. B 204
Mehr zu Caspar Gras unter 1914



Literatur
David von Schönherr, Über die zwei Erztafeln vom Salzberge zu Hall, in: Mitteilungen der k. k. Central-Commission (Wien 1896) I-CVIII. - Helga Dressler, Alexander Colin. Phil. Diss. (Freiburg i. Br.-Karlsruhe 1973). - Michael Krapf, Gedenktafel zur Erinnerung an den Aufschlag des Kaiserbergstollens im Haller Salzbergwerk. In: Ruhm und Sinnlichkeit. Innsbrucker Bronzeguß 1500-1650. Von Kaiser Maximilian I. bis Erzherzog Ferdinand Karl, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1996 (Innsbruck 1996) Kat.Nr. 66, 230, Abb. 231; 339f und 341 Biographien zu Alexander Colin und Hans Christoph Löffler.

 

Eleonore Gürtler