Wappenstein Erzherzog Sigmunds und der Katharina von Sachsen, 1489  

Wappenstein Erzherzog Sigmunds und der Katharina von Sachsen, 1489

 

Niklas Türing (gest. 1517 Innsbruck)
Mittenwalder Sandstein, 157 x 93 cm
bez. siehe Text

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. P 556

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Im Mittelfeld sind die Wappen von Österreich (Bindenschild), von zwei wilden Männern gehalten, links unten jenes von Sachsen und rechts unten jenes von Tirol dargestellt. Die Buchstaben in den Maßwerkzwickeln deuten mit "S" auf Sigmund und mit "K" auf Katharina, die zweite Gemahlin Erzherzog Sigmunds. Die lateinische Lobesinschrift lautet: "Sum dux ile pius scipio velut alter amicis, ere salutiferam do pietatis opem. ergo eia superos lachrimis pie testor abortis, ut mea nestorios hau" (Ich bin ein frommer und guter Fürst, bei meinen Freunden gleichsam ein zweiter Scipio. Mit Erz vollbringe ich heilbringende, Gott gefällige Werke. Deshalb beschwöre ich tränenden Auges die Götter, sie mögen mich so alt werden lassen wie einst Nestor; zitiert nach Hye 1980, 30). Der Text stammt vermutlich vom Humanisten Johannes Mathias Tiberinus. Im Maßwerkstein steht die Jahreszahl 1489. Der Wappenstein dürfte an die Vermählung Sigmunds mit Katharina von Sachsen im Jahre 1484 erinnern.

 

Der Wappenstein befand sich ehemals an der Fassade des "Neuen Hofes", der Residenz Sigmunds in der Innsbrucker Altstadt, rechts vom Goldenen Dachl (eine Kopie ist heute links des Goldenen Dachls angebracht). Er ist das einzige öffentliche Denkmal Sigmunds in Innsbruck.

 

Um den Wappenstein fotografieren zu lassen, wurde er 1880 auf Kosten der Stadt Innsbruck aus der Wand herausgenommen und dem Ferdinandeum unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes überlassen. David von Schönherr ließ die vier Teile des Wappensteins in einen Holzrahmen geben und die schadhaften Stellen mit Gips ergänzen (MA 1880, 217). Die Kosten für den Formator Steiner beliefen sich auf 35 Gulden, jene für den Tischler Möglein auf 8 Gulden und 20 Kreuzer, die Gesamtkosten also auf 43 Gulden und 20 Kreuzer. Von Museumsseite wurde festgehalten, dass diese Kosten im Falle der Überlassung ins Eigentum des Museums übernommen werden (MA 1880, 222). Der Gemeinderat der Stadt Innsbruck hatte am 11. Oktober 1880 beschlossen, den Wappenstein unter der Bedingung dem Museum ins Eigentum zu überlassen, dass dieser niemals veräußert werde und die Restaurierungskosten zu übernehmen seien (MA 1880, 265).

 

Der Wappenstein ist zusammen mit den Reliefs vom Goldenen Dachl - als Leihgaben der Stadt Innsbruck - und den beiden wappenhaltenden Engeln vom Gusshaus in Mühlau ein bedeutendes Denkmal der Innsbrucker Stadtgeschichte und ein hervorragendes Zeugnis spätgotischer Steinmetzkunst.


Niklas Türing, König Maximilian zwischen Narr und Ratgeber, Relief vom Goldenen Dachl, 1500
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. P 991 (Leihgabe Stadt Innsbruck)



Literatur
David Schönherr, Die Kunstbestrebungen Erzherzogs Sigmund von Tyrol, in: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses I (1883) 191. - Konrad Fischnaler, Das Goldene Dachl Kaiser Maximilians I. In: Ausgewählte Schriften 1 (Innsbruck 1936) 12ff. - Vinzenz Oberhammer, Das Goldene Dachl zu Innsbruck (Innsbruck-Wien-München 1970) 14-18. - Franz-Heinz Hye, Innsbruck. Geschichte und Stadtbild bis zum Anbruch der Neuen Zeit, in: Tiroler Heimatblätter 2 (1980) 29ff. - Johanna Felmayer, Das Goldene Dachl in Innsbruck (Innsbruck 1996) 22. - Franz-Heinz Hye, Das Goldene Dachl Kaiser Maximilians I. und die Anfänge der Innsbrucker Residenz (Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs N. F. 24, Innsbruck 1997) 32, Abb. 8.

 

Gert Ammann