Streichinstrumente, 1794 -1798  

Streichinstrumente, 1794 -1798

 

Michael Ignaz Stadlmann (Wien um 1756-1813 Wien)
links: Kontrabass, 1798, Inv.Nr. 11
rechts: Geige, 1794, Inv.Nr. 7
aus dem Besitz von Kaiser Franz I. (1768-1835)

Musiksammlung, Inv.-Nr. 6-11

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1879 übergab Erzherzog Karl Ludwig dem Ferdinandeum eine kleine Sammlung von sechs Streichinstrumenten als Geschenk, die nicht nur bemerkenswert ist, weil die Instrumente aus dem Besitz eines musikliebenden Kaisers stammen, sondern weil sich diese Instrumente - vermutlich als Sammelgut nicht für die Spielpraxis bestimmt - teilweise im Originalzustand erhalten haben. Alle Instrumente sind von hervorragender Fertigung und auserlesene Beispiele ihrer Gattung, wenngleich der berühmte Name "Amati" auf einer der beiden Geigen und auf einem der zwei Celli gefälscht ist, wiewohl beide Instrumente aus dem 17. Jahrhundert stammen. Das zweite unbezeichnete Violoncello, offenkundig aus dem süddeutschen Raum - nach Expertenansicht erinnert die Form an den Mittenwalder Geigenbauer Sebastian Klotz - ist im 18. Jahrhundert gefertigt, ebenso wie die unbezeichnete Viola, die allerdings eine Arbeit der Wiener Schule ist, wie vor allem an der typischen Schwärzung im Lack erkennbar wird.

 

Besonderen Rang haben die beiden abgebildeten Instrumente des "kais[erlich] koenigl[ichen] Hof- Lauten- und Geigenmacher[s] Michael Ignaz Stadlmann", dem letzten Vertreter einer angesehenen Wiener Instrumentenmacherfamilie. Sowohl die nach dem Vorbild Stradivaris mit flacher Wölbung gebaute Violine als auch der fünfsaitige, durch seine Dimensionen beeindruckende Kontrabass sind im Originalzustand erhalten. Auf der Rückseite des Wirbelkastens kennzeichnet der Brandstempel "F" (d. h. Kaiser Franz I.) die Zugehörigkeit zur Sammlung des Kaisers. Stadlmanns Arbeiten zeichnen sich durch besondere Sorgfalt und Formschönheit aus, wofür besonders die Violine von 1794 ein hervorragendes Beispiel abgibt. Ihre Klangschönheit ist auf der CD "Musikinstrumente des Ferdinandeums 1" mit Werken von Johann Sebastian Bach und frühbarocker italienischer Geigenmusik zu bewundern.


Manfred Schneider