Tiroler Spielkarten, 1878  

Tiroler Spielkarten, 1878

 

Edmund von Wörndle (Wien 1827-1906 Innsbruck)
Nach einem Bildkonzept von Karl Domanig, hg. vom Kronprinz Rudolf-Veteranen-Verein
Einfachdeutsch, 36 Blatt, Lithographien koloriert, 97 x 56 mm
"Welli" bez. re. u.: E. v. Wörndle / entw. u. gez. / 1878

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Spiele 21

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Im Zusammenhang mit dem immer stärker werdenden Patriotismus im 19. Jahrhundert entstand wohl auch die Idee, Spielkarten mit Motiven aus der Geschichte Tirols zu entwerfen. Es war Karl Domanig, der an seinem Bildkonzept besonders hervorhob, dass es sich - im Gegensatz zu anderen "Nationalkarten" - ausschließlich um historische Darstellungen handelte, die - nach Farben geordnet - jeweils ein einheitliches Bild einer Epoche der Tiroler Geschichte geben sollten: So zeigt "Herz" die Erinnerung an den Freiheitskampf von 1809, "Schelle" veranschaulicht das Verhältnis Tirols zum Haus Österreich, "Laub" symbolisiert das Tiroler Schützenwesen, "Eichel" ist den Ständen, der Kunst, der Wissenschaft sowie der Wirtschaft gewidmet. Sinn und Zweck dieser Spielkarten war es, "dass das historische Bewusstsein unseres Volkes, diese starke Gewähr seiner glücklichen Zukunft, geweckt, vertieft und immer lebendig erhalten werde!" (Domanig)

 

Entwurf und Ausführung der Vorstellungen Domanigs übernahm der seit 1859 in Tirol lebende "vaterländische" Künstler Edmund von Wörndle, ein Enkel des Innsbrucker Rechtsanwaltes und "Siegers von Spinges" (1797) Philipp von Wörndle. Als Herausgeber fand sich - wie auf der Laub-Sechs bezeichnet - der Kronprinz Rudolf-Veteranen-Verein. Auf die lithographische Anstalt von Carl Redlich als Hersteller und auf den Vertrieb durch den Verlag von Johann Handl in Innsbruck wird auf der Herz-Sieben hingewiesen. Bis um 1910 wurden mindestens sieben Ausgaben des Kartenspiels von verschiedenen Verlegern herausgegeben, wobei man zwischen der "gewöhnlichen", der "mittelfeinen" und der "feinen" Sorte zu jeweils unterschiedlichen Preisen wählen konnte (Andreas Hofer, 10. Oktober 1878, 30).

 

Das Ferdinandeum erwarb die Tiroler Spielkarten samt Erläuterungen zum Preis von 33 Kreuzern Anfang September 1878 (EB 1878), was auf eine gewisse Aktualität in der Sammelstrategie des Museums hindeutet, zumal die Karten erst am 31. August präsentiert worden waren.

 

Die Edition Piatnik brachte 1984 in Zusammenarbeit mit dem Innsbrucker Haymon-Verlag einen Nachdruck der "Tiroler Spielkarten mit historischen Motiven" heraus, wobei das Original der Erstausgabe aus der Sammlung des Ferdinandeums als Vorlage diente.

 

Innerhalb der zwar nicht sehr umfangreichen, dafür aber umso interessanteren Spielesammlung zählen diese Karten neben den Tiroler Tarockkarten von Jakob Placidus Altmutter wohl zu den bedeutendsten. Die Spielesammlung wird - soweit möglich - laufend durch alte und zeitgenössische tirolbezogene Spiele aller Art ergänzt.

 

Mehr zu Edmund von Wörndle unter 1906


"Welli" mit Signatur des Künstlers und Datierung
Historische Sammlungen, Spiele 21



Literatur
Karl Domanig, Tyroler Karten. Herausgegeben vom Kronprinz Rudolf-Veteranen-Verein, zu haben bei Johann Handl in Innsbruck (Innsbruck o. J. [1878]) (Beiblatt zu den "Tyroler Karten" FB 46158). - Tyroler Karten, in: Andreas Hofer 3 (10. 10. 1878) 30. - Rudolf Sinwel, Tiroler Spielkarten, in: Tiroler Heimatblätter 5/6 (1929) 145-148. - Michael Forcher, Tiroler Spielkarten von 1878 mit historischen Motiven (Innsbruck-Wien 1984) (Beiheft zur Neuauflage der Tiroler Spielkarten von 1878). - Peter Blaas, Tiroler Spielkarten im 19. Jahrhundert, in: Tiroler Heimatblätter 2 (1990) 109-120.

 

Claudia Sporer-Heis