Mappierungsapparat, 1873  

Mappierungsapparat, 1873

 

Jakob Eisendle (Pflersch 1811-1888 Pflersch)
Holz, Metall, 48 x 41 x 20 cm
bez. an der Innenseite des Klappdeckels "Mappirungsapparat für Distanzen, Curven und Höhenmessungen von Jakob Eisendle in Pflersch in Tirol"

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Technik 168

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Funktionsfähiger Apparat für Distanzen-, Kurven- und Höhenmessungen, der aus solidem Metall in einem schön ausgeführten Holzkästchen mit Klappdeckel konstruiert ist.

 

Dieser Mappierungsapparat wurde auf einem Messwagen montiert und von einem Rad angetrieben. Durch verschiedene Zahnradübersetzungen konnte in 20 unterschiedlichen Maßstäben vermessen werden. Die Horizontalaufnahme geschah derart, dass der Schreibstift, welcher über dem auf einer drehbaren Scheibe eingespannten Zeichenblatt quer verschiebbar gelagert war, während der Fahrt durch den Übersetzungsmechanismus seitlich verschoben wurde. Zugleich erfolgte durch einen mitfahrenden Vermessungstechniker ("Mappeur") mittels Handkurbel die genaue Nord-Süd-Ausrichtung der Scheibe mit dem Zeichenblatt durch exakte Beobachtung des Kompasses. Die Höhenvermessung wurde durch ein Pendelgewicht gesteuert. Diese Messung wurde auf einem seitlich am Gerät angebrachten Blatt aufgezeichnet.

 

Der Mappierungsapparat ist das Hauptwerk des bedeutenden Tiroler Erfinders Jakob Eisendle. Sein Talent zeigte sich bereits in der Kindheit, als er, während er das Vieh hütete, eine Wasseruhr konstruierte. Später richtete er auf seinem Hof eine mechanische Werkstätte ein, für die er Maschinen konstruierte, welche von einer Turbine angetrieben wurden. Seiner Werkstätte entstammen unter anderem eine Feilenhau-Maschine, welche 40 verschiedene Feilenarten anfertigen konnte, eine Schuhnagel-Schmiedemaschine und eine Maschine zum Schleifen parabolischer Linsen. Nebenbei betätigte sich Eisendle auch als Gelegenheitsdichter; leider sind nur wenige seiner Verse erhalten. Jakob Eisendle schrieb über Aufforderung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum eine Selbstbiographie, aus der wir erfahren, dass er glücklich verheiratet war und 10 Kinder hatte (Eisendle Jakob, Selbstbiographie, Manuskript, MA 1875, Nr. 13 "Eisendle-Akt").

 

Der Mappierungsapparat wurde auf der Weltausstellung in Wien 1873 ausgezeichnet, und die Bozener Handels- und Gewerbekammer überreichte Jakob Eisendle ein Ehrengeschenk von 50 Gulden. Dafür schenkte Eisendle 1875 das Gerät dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (MA 1875, Nr. 13 - "Eisendle-Akt", Funktionsbeschreibung des Apparates). Zu einer Serienfertigung dieses Gerätes ist es nie gekommen.

 

Mehr zu Jakob Eisendle unter 1889


Jakob Eisendle
Bibliothek



Literatur
Ernst Attlmayr, Tiroler Pioniere der Technik (Tiroler Wirtschaftsstudien 23, Innsbruck 1968) 13f. - Vgl. auch den Artikel zum Jahr 1889 über die Nähmaschine von Jakob Eisendle.

 

Meinhard Neuner