Erzherzog Johanns Rückkehr nach Tirol  

Erzherzog Johanns Rückkehr nach Tirol

 

Der auf Tirol bezügliche Nachlass im Ferdinandeum: FB 2071-2083 abgebildet: Bestellung Erzherzog Johanns zum außerordentlichen Hofkommissär von Tirol durch Kaiser Ferdinand (eigenhändige Unterschrift), 3. April 1848, Papier, 265 x 210 mm

Bibliothek, Inv.-Nr. FB 2077/2

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Transkription des Texts des abgebildeten Schreibens:

 

"Lieber Herr Oheim, Erzherzog Johann!
Auf die Bereitwilligkeit vertrauend, mit welcher Euer Liebden stets die Gesammt-Interessen Meiner Staaten zu befördern bemüht waren, übertrage Ich Ihnen die Sendung nach Tirol und Vorarlberg, wo Sie als ausserordentlicher Hofcommissair diejenigen Verfügungen und Einrichtungen zu treffen haben werden, welche die jetzigen Umstände erheischen. Sie haben Sich wegen Erlangung der erforderlichen Instruction zunächst an Meinen Minister des Äußeren, dann auch an die Minister des Innern und Krieges zu wenden. Wien den 3. April 1848.
Ferdinand"

 

"Von dem innigen Wunsche beseelt, jene auf die ruhmreiche Geschichte Tirols Bezug habenden Schriften und Urkunden, welche mein unvergeßlicher Vater Erzherzog Johann von Oesterreich während seines vielbewegten Lebens gesammelt hat, diesem Lande, welches ihm durch sein ganzes Leben so überaus theuer war, ungeschmälert und unverändert zu erhalten" (FB 2071 vorangestellt), übergab Franz Graf von Meran unter dreimal (JB 1866-1868, X; JB 1869-1870, VII; Vereinsnachrichten 1890, XVI) die insgesamt 14 Faszikel dem Ferdinandeum. Er wurde zum Dank dafür 1868 zum Ehrenmitglied des Vereins - der statutenmäßig festgesetzten Form der Auszeichnung verdienter Persönlichkeiten - ernannt.

 

Damit kam eine für die Landesgeschichtsschreibung wertvolle Quelle in den Besitz des Ferdinandeums, das Erzherzog Johann (Florenz 1782-1859 Graz) soviel zu verdanken hatte. Nicht nur, dass er seine später in Graz verwirklichten Museumspläne bereits 1800 für Innsbruck entwickelt hatte, er war auch wesentlicher Motor des Neubaus, dessen Grundstein er 1842 legte, dessen feierliche Eröffnung er 1845 vornahm. Diese Übergabe war auch so etwas wie eine dauernde Rückkehr der auf jenes Land bezüglichen Schriften aus seinem Besitz, das er durch mehr als 20 Jahre offiziell nicht betreten durfte. Dass er dieses von Metternich initiierte Verbot allerdings geheim übertreten hatte, vertraute er am 8. Mai 1845 seinem Tagebuch an, als er zusammen mit Frau und Sohn Lienz besuchte: "Ich war wieder in Tirol, frei und ungehindert, dem Lande angehörend durch Erinnerungen, Liebe und Treue, durch Besitzthum, durch Weib und Kind, in dem Lande, von dem ich vor 15 Jahren, die mit ewigen Schnee bedeckten Tauern unbekannt überschreitend, eine Schachtel voll Erde holte, damit auf dieser einst mein Haupt im Grabe ruhe - wußte ich doch nicht, ob es mir noch einmal vergönnt sein werde, frei dasselbe zu betreten. So aber, wie es jetzt gekommen, hat es Gott herrlich gewendet und geführt." (zit. bei Schönherr, 57f )

 

Als im März 1848 in der Lombardei und in Venetien der Aufstand gegen die österreichische Herrschaft ausbrach und italienische Freischaren auch die Grenzen Südtirols bedrohten, wurde Erzherzog Johann offziell nach Tirol geschickt, womit ihm seine Rolle in der "Alpenbund"-Verschwörung 1811/12, Ursache für das Einreiseverbot, endgültig verziehen war. Er hatte die Landesverteidigung zu organisieren, wurde jedoch, noch bevor er an der Spitze der Schützen dem Feind entgegentreten konnte, nach zwei Monaten wieder nach Wien zurückberufen, von wo aus er als Reichsverweser nach Frankfurt übersiedeln musste. Nach Tirol kam er kurz erst 1850 wieder. Immerhin wurde 1869 - zehn Jahre nach seinem Tod - sein Leichnam nach Schloss Schenna, seit 1844 in seinem Besitz, überführt (siehe dazu Chronik 1869).

 

Zu Erzherzog Johann siehe unter anderem auch 1844


Josef Kriehuber (1800-1876), Erzherzog Johann (lith. L. Fischer)
Bibliothek, W 5226/38 (aus dem Legat Johann Wieser)



Literatur
David von Schönherr, Das Schloß Schenna. Seine Geschichte und seine Besitzer (Meran 1886). - Hans Kramer, Erzherzog Johann und Tirol 1790 bis 1814. In: Hans Kramer / Oswald von Gschließer / Georg Mutschlechner, Erzherzog Johann und Tirol (Schlern-Schriften 201, Innsbruck 1959) 9-71. - Oswald von Gschließer, Erzherzog Johann und Tirol seit der Wiedervereinigung des Landes mit Österreich (1814) bis zum Tode des Prinzen. In: ebenda, 73-122. - Hans Magenschab, Erzherzog Johann und Tirol, in: das Fenster 31 (1982) 3098-3109. - Josef Fontana, Von der Restauration bis zur Revolution (1814-1848), in: Josef Fontana / Peter W. Haider / Walter Leitner u. a., Geschichte des Landes Tirol 2 (Bozen-Innsbruck-Wien 1986) 693-737.

 

Ellen Hastaba