Tirolische Siegelsammlung des Georg von Pfaundler, Mittelalter bis 19. Jahrhundert  

Tirolische Siegelsammlung des Georg von Pfaundler, Mittelalter bis 19. Jahrhundert

 

Auswahl aus den ca. 1800 Objekten (Wachs-, Lack- und Papiersiegel)
unterschiedliche Formate
in die Siegelsammlung des Ferdinandeums integriert

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Siegel

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Bereits in den ersten genehmigten und gedruckten Statuten für den "Verein des tirolischen Nazionalmuseums" (JB 1826, 27-35) ist das Erfassen von Siegelbeständen fixiert. - Der Hauptzweck eines Siegels liegt bestimmt in seinem rechtlichen Charakter, war es doch durch lange Zeit die wichtigste Form der Beglaubigung einer Rechtshandlung. Sind Siegel abgeschnitten, so ist der Zusammenhang mit den entsprechenden Urkunden zwar leider verlorengegangen, dennoch besitzen sie einen kulturhistorischen Wert.

 

Die Siegelsammlung des Ferdinandeums war noch nicht besonders groß, als der pensionierte Archiv-Offizial am Gubernial- bzw. Statthaltereiarchiv in Innsbruck Georg von Pfaundler (1795-1876) mit anderen "Altertümern" den größten Teil seiner Siegelsammlung dem Ferdinandeum übergab (MA 1867, 168). Die Erwerbung ist mit 4. November 1867 datiert: "Eine Sammlung der Siegel des tirol. Adels, sam(m)t den Siegeln der tirol. Landesfürsten, Stifte, Städte, Anstalten, zusammen 1800 Stücke, alphabetisch geordnet in 2 Kästen." (EB 1867; JB 1867, XII). Bereits 1865 war die erste Teillieferung erfolgt (MA 1865, 197; EB 1865).

 

Georg von Pfaundler zählte um die Mitte des 19. Jahrhunderts zu den großen Förderern des Ferdinandeums, weshalb gerade nach Abschluss der Übergabe dieser Siegelsammlung im Jahresbericht über das Jahr 1867 ein kräftiger Dank ausgesprochen wurde: "Und hier ist es wohl am Platze, ein Wort der Anerkennung und des Dankes diesem unermüdlichen Sammler auszusprechen, der seine ganze Musse der angestrengtesten Thätigkeit für das Museum weiht, indem er das von seinem sel. Vater und von ihm selbst während seiner Amtszeit gesammelte reichhaltige Material von Tirolensien ... sichtet und ordnet und diese Schätze sodann in uneigennützigster, wahrhaft patriotischer Aufopferung dem Museum widmet." (JB 1867, XII f )

 

Das Pfaundlersche Legat bildet heute noch gleichsam den Grundstock der Siegelsammlung des Ferdinandeums, die ca. 5000 Stück (Wachs-, Lack- und Papier- bzw. Oblatensiegel) zuzüglich ca. 370 Typaren umfaßt. Auch "abgeschnittene" Siegel dienen heute der Forschung nicht nur auf genealogischem und heraldischem Gebiet, sondern auch auf kunstgeschichtlichem. Die Künstler mussten ein großes Geschick aufweisen, um den Wünschen der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten mit den ihnen jeweils eigenen Themen und Motiven (z. B. Thronsiegel, Reitersiegel, Standbildtypus, Bischofssiegel, Wappen) gerecht zu werden. Gestalterisch mussten sie dasselbe Können beherrschen, wie es in der "großen Kunst" gefordert war.


Literatur
Erich Kittel, Siegel (Bibliothek für Kunst- und Antiquitätenfreunde XI, Braunschweig 1970). - Erich Egg, Kunst in Tirol II: Malerei und Kunsthandwerk (Innsbruck-Wien-München 1972) 316f. - Meinrad Pizzinini, Der kunsthistorische Aspekt in der Sphragistik. In: Bericht über den elften österreichischen Historikertag in Innsbruck (1971) (Wien 1972) 355-362. - Meinrad Pizzinini, Siegel und Urkunden. In: 150 Jahre Bibliothek des Ferdinandeums, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1973 (Innsbruck 1973) unpag. [39-42].

 

Meinrad Pizzinini