Deutschordens-Hochmeisterschild, um 1320  

Deutschordens-Hochmeisterschild, um 1320

 

Holz, Lederbezug, bemalt, 98,5 x 57,5 cm
Umschrift: · + · CLIPPEVS · CVM · GALEA · MAGISTRI · (ORDI) NIS · FRATRVM : THEVTONICORVM (Schild mit Helm des Meisters des Ordens der Deutschen Brüder)

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Waffen, Defensionswaffen 1

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Der Schild, wahrscheinlich aus dem Besitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens Karl von Trier stammend, zeigt auf gelbem Grund einen heraldisch rechtsgelehnten weißen Dreiecksschild (mit Helm, Bausch und Helmzier) mit schwarzem Kreuz, belegt mit einem gelben Kleeblattkreuz und einem gelben Herzschild mit schwarzem, heraldisch rechts blickendem Adler.

 

Die ersten Deutschordensritter in Tirol scheinen um 1200 in Bozen auf. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts kamen Kommenden (Niederlassungen) in Schlanders, Lengmoos und Sterzing hinzu, aus welchen die Ballei (Verwaltungsbezirk) Bozen entstand.

 

Bereits im Herbst 1848 war dem Verwaltungsausschuss des Ferdinandeums durch einen Reisenden die Existenz verschiedener Objekte des Deutschen Ordens im "Deutschhaus" in Sterzing mitgeteilt worden. Der Deutsche Orden hatte zwischen 1468/69 und 1809 auch die in der Nähe gelegene Burg Reifenstein besessen. Deshalb versuchte man beim Landrichter in Sterzing Erkundigungen einzuholen und schrieb ihm, es handle sich dabei um große Papiertafeln, auf denen alle Hochmeister des Deutschen Ordens seit 1207 mit Wappen verzeichnet seien, eine größere Tafel mit schwörender Hand und Eidesformel und drei mit Leder oder Pergament überzogene Schilde, wovon einer mit einem schwarzen Kreuz, ein zweiter mit einer Inschrift am Rand und der dritte und größte mit goldenen gotischen Inschriften bemalt sei. Die Gegenstände seien "sämtlich mit Staub und Vogelunrath bedeckt und gehen dem Verderben entgegen". Das Ferdinandeum würde gerne in den Besitz dieser Gegenstände kommen oder sie wenigstens besichtigen (MA 1848, 97).

 

Diese Recherchen scheinen nichts Wesentliches ergeben zu haben. Am 26. August 1862 wird der - inzwischen bekannt gewordene - Eigentümer, Joseph Graf Thurn und Taxis, gebeten, die sich auf Burg Reifenstein befindlichen Schilde dem Museum zu überlassen, "nachdem es unter anderem eine Hauptaufgabe des Ferdinandeums ist, die im Lande zerstreuten sich vorfindenden Reste des Alterthums zu sammeln ...". Außerdem besitze das Museum "zwar allerlei Waffen und Rüstzeug aus den verschiedensten historischen Epochen, aber gerade Schilde sei(e)n es, welche in der bisherigen Sammlung gänzlich fehlen" (MA 1862, 140). Der Eigentümer antwortete, dem Wunsch des Ferdinandeums entsprechen zu wollen. Er bedauere den schlechten Zustand der Schilde und fühle sich geehrt, als Mitglied einen bescheidenen Beitrag für das Museum Ferdinandeum leisten zu können (MA 1862, 157).

 

Der Schild gilt als bedeutendes Objekt der Waffensammlung und ist eine häufig für internationale Ausstellungen erbetene Leihgabe.


Literatur
Bernhard Engel, Waffengeschichtliche Studien aus dem Deutschordens-Gebiet. Ein Original-Deutschordens-Hochmeisterschild, in: Zeitschrift für historische Waffenkunde 2 (1900/02) 94-100. - Oswald Trapp, Das Waffenkabinett, in: Tirol. Natur, Kunst, Volk, Leben 12/13 (1930) 38f. - Oswald Trapp, Die Deutschordensschilde aus der Burg Reifenstein, in: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum 20/25 (1940/45, erschienen 1947) 27-53. - Marian Tumler, Der Deutsche Orden und Tirol. In: Südtirol. Land europäischer Bewährung (Schlern-Schriften 140, Innsbruck 1955) 89-97. - Franz-Heinz Hye, Auf den Spuren des Deutschen Ordens in Tirol. Eine Bild- und Textdokumentation aus Anlaß des Ordensjubiläums 1190 (Bozen 1991).

 

Claudia Sporer-Heis