Münzstempel aus der Münzstätte Lienz der Grafen von Görz (-Tirol), mittelalterlich  

Münzstempel aus der Münzstätte Lienz der Grafen von Görz (-Tirol), mittelalterlich

 

links: Münzstempel, Eisen (Bodenfunde), Unterstempel Gesamthöhe 118 mm (ohne Zapfen 80 mm), Oberstempel 76 mm
rechts: Münzstempel, Eisen (Bodenfunde), Unterstempel Gesamthöhe 121 mm (ohne Zapfen 82 mm), Oberstempel 90 mm

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Münzen, Münzstempel 5-8

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Maschinelle Prägewerkzeuge zum Herstellen von Münzen gibt es erst seit den Sechziger Jahren des 16. Jahrhunderts. Vorher mussten die Münzen händisch geprägt werden. Bezeichnend ist der Ausdruck "Münzen schlagen": Das Untereisen war mittels eines Zapfen in einem Holzstock fixiert. An seiner Oberseite ist eine Seite einer bestimmten Münze negativ eingraviert. Darauf wird das " justierte" Münzplättchen gelegt, der "Schrötling", in vorgeschriebener Legierung, Größe und mit dem notwendigen Gewicht. Das Obereisen, an dessen Unterseite sich eingraviert die zweite Seite der Münze befindet, ist frei beweglich und wird auf das Metallplättchen angesetzt. Durch einen kräftigen Hammerschlag prägen sich die beiden Formen in das Münzmetall ein. - In allen Münzstätten im Bereich Alt-Tirols wurden auf diese Weise Münzen hergestellt. In der Münzstätte der Grafen von Görz in Lienz dürften Münzen schon vor 1195 geprägt worden sein. Nach den ersten Münzen mit kirchlicher Symbolik tauchen der Löwe als Wappentier der Görzer und die Rose als Wappen der Lienzer Bürgerschaft als Hinweis auf die Prägestätte auf.

 

Für die Münzsammlung des Ferdinandeums übersandte Franz Ritter von Aigner, ein gebürtiger Lienzer, nun in Braunau ansässig, im November 1856 und im Juni 1857 sechs bzw. sieben aus der ehemaligen gräflich-görzischen Münzstätte in Lienz stammende Münzeisen (EB 1856, EB 1857). Die letzte Übergabe eines Görzer Münzstempels (Unter- oder Obereisen?) erfolgte am 24. Jänner 1861 (EB 1861). Im "Einlauf vom 10. bis 24. Jänner 1861" (MA 1861, 26) wird etwas genauer berichtet: "Herr Aktuar Adjunkt [Karl] Peschke in Lienz übergiebt durch Herrn v. Zallinger einen zu Lienz ausgegrabenen Görzischen Münzstempel ..." Im Sitzungsprotokoll des Verwaltungs-Ausschusses vom 24. Jänner ist eine weitere Aussage festgehalten: Der Münzstempel stamme von Graf Meinhard II. und sei "an der Stelle der ehe(maligen) Münzstätte dortselbst" gefunden worden (MA 1861, 27). Leider ist es nicht möglich, den im Jahr 1861 als letztes Stück der Serie von Görzer Münzeisen erhaltenen Stempel zu identifizieren.

 

Die Prägewerkzeuge aus der ehemaligen görzischen Münzstätte Lienz stellen bereits insofern eine besondere Rarität dar, als es sich um die einzigen überlieferten mittelalterlichen Münzstempel im Bereich des historischen Tirol handelt. Zusammen mit einer ansehnlichen Sammlung görzischer Münzen im Tiroler Landesmuseum dokumentieren sie das rund drei Jahrhunderte währende Münzwesen der Görzer.


Denar Graf Alberts IV. ( 1374) von Görz-Tirol (Vergrößerung)



Literatur
Corpus Nummorum Italicorum VI: Veneto (Zecche minori) - Dalmazia - Albania (Roma 1922) bes. 6ff und 46ff. - Meinrad Pizzinini, Lienz. Das große Stadtbuch (Lienz 1982) 76-80. - Heinz Moser / Helmut Rizzolli / Heinz Tursky, Tiroler Münzbuch. Die Geschichte des Geldes aus den Prägestätten des alttirolischen Raumes (Innsbruck 1984) 28-39. - Helmut Rizzolli, Münzgeschichte des alttirolischen Raumes im Mittelalter und Corpus Nummorum Tirolensium Mediaevalium I: Die Münzstätten Brixen/Innsbruck, Trient, Lienz und Meran vor 1363 (Bozen 1991) bes. 175. - 750 Jahre Stadt Lienz 1242-1992, Katalog der Jubiläumsausstellung 1992 (Lienz 1992) 156ff. - Harald Stadler, Fünf Jahre Stadtkernarchäologie in Lienz, in: Nearchos 1 für die Abteilung für Mittelalterliche und Neuzeitliche Archäologie des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Universität Innsbruck (1993) 13-78, bes. 31-35.

 

Meinrad Pizzinini