Terpsichore, 1857  

Terpsichore, 1857

 

Johann Dominik Mahlknecht (Überwasser bei St. Ulrich in Gröden 1793-1876 Paris)
Bronze, H 171 cm
bez. am Sockel: Dominique Mahlknecht · 1857

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. B 196

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Dominikus Mahlknecht absolvierte im Grödner Tal zunächst eine Lehre bei einem Bildschnitzer und ging als 16-Jähriger nach Frankreich, dort legte er in Nantes den Grundstein für seine Karriere als anerkannter Bildhauer Frankreichs in der Zeit der Restauration. Durch jahrelanges Eigenstudium entwickelte er einen am französischen Klassizismus geschulten Stil. Seit 1827 besaß Mahlknecht ein Atelier in Paris und arbeitete hauptsächlich dort.

 

1859 schenkte der Künstler dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum die Bronzeplastik "Terpsichore", die der griechischen Mythologie entnommene Gestalt der Muse des Tanzes und des lyrischen Gesanges (EB 1859, Juni 22). Eugen Trapp sieht in der lebensgroßen Skulptur, die Mahlknecht 1857 geschaffen hatte und der eine Gipsstatue gleichen Themas von 1850 vorausging, "ein repräsentatives Beispiel für sein Spätwerk. Das Sujet ist der antiken Mythologie entnommen, doch ist dies für Mahlknecht keineswegs mehr Anlaß zur Nachempfindung einer griechischen Muse des Tanzes ..., sondern Vorwand für eine allegorische Darstellung des Tanzes, ausgehend von der konkreten Figur einer Tänzerin" (Trapp, 25).

 

1859 veranlasste jene die Figur auszeichnende realistische Darstellung einen Kritiker des "Bothen für Tirol und Vorarlberg" zu folgenden wenig schmeichelhaften Bemerkungen: "Wenn ein Grieche aus der antiken Zeit herüber käme, der würde in der Malknecht'schen Statue wohl keine Terpsichore erkennen, überhaupt erst dann ein Urteil sich bilden können, wenn er Paris und in Paris ein Ballett gesehen hätte. Für eine Muse ist sie zu unedel, zu leidenschaftlich und zu ausdruckslos, ... Mahlknecht hat seine Terpsichore nicht an der Antike studiert, sondern sie ganz dem sensualistischen Geschmacke der modernen Pariser angepaßt. Diese Oberflächlichkeit in der Auffassung ist es, gegen die wir uns mißbilligend aussprechen müssen, ohne die bedeutenden Anlagen des Künstlers zu bezweifeln, wir müssen sogar, um gerecht zu sein, anerkennen, daß diese Statue mit einem Aufwande künstlerischer Fähigkeit und Fertigkeit gemacht ist, die einer edleren Sache werth wären" (Bothe für Tirol und Vorarlberg 124 (1859) 536).


Anton Mahlknecht (1827-1869), Bildnis des Bildhauers Dominik Mahlknecht, 1859
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1169



Literatur
Bothe für Tirol und Vorarlberg 18 (1834) 72; 124 (1859) 536; 123 (1876) 905; 68 (1877) 539f. - Constant von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich 16 (Wien 1867) 278-282. - Rudolf Müller, Dominik Mahlknecht. In: Allgemeine deutsche Biographie 20 (Leipzig 1884) 94-96. - A[rtur] Schuschnigg, Mahlknecht Dominik. In: Ulrich Thieme / Felix Becker (Hgg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künste 23 (Leipzig 1929, repr. München 1992). - Eugen Trapp, Johann Dominik Mahlknecht, 1793-1876. Ein ladinischer Bildhauer in Frankreich, in: Ladinia 11 (1987) 5-28.

 

Eleonore Gürtler