Relief Großglockner und Umgebung, 1856  

Relief Großglockner und Umgebung, 1856

 

Franz Keil (Graslitz 1822-1876 Marburg an der Drau)
Gipsabguss, mit Ölfarben koloriert, 31 x 38 cm (Bodenplatte
38,2 x 45,5 cm), Maßstab 1 : 48.000, 2-fach überhöht
Legende auf aufgeklebtem Papier, handschriftlich: "Der Gross-Glockner und seine Umgebung. Entwurf und ausgeführt von Franz Keil 1856."

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Kartographie, Reliefs 1

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"Die ersten wissenschaftlich fundierten Reliefs ostalpiner Gebirgsräume geschaffen zu haben, ist das Verdienst Franz Keils." Damit ist die überragende Leistung Keils eindeutig charakterisiert (Zemann, 40). Geboren in Graslitz im Erzgebirge, studierte Keil an der Prager Universität Pharmazie. Er arbeitete in Apotheken in Graz und Gastein und leitete von Oktober 1852 bis September 1858 die Stadtapotheke in Lienz als Provisor. Nicht wenige von Franz Keils schriftlichen, kartographischen und geoplastischen Arbeiten befassen sich daher mit dem östlichen Pustertal mit Seitenregionen. Am meisten geschätzt wurde Keil als Geoplastiker, als Hersteller von Gebirgsreliefs (Pizzinini, 313). Er schuf rund 30 Landkarten und Reliefs. Als er 1855 zum ersten Mal am Gipfel des Großglockners stand, erwachte in ihm der Gedanke, eine plastische Darstellung der Glocknergruppe anzufertigen, was - nach zahlreichen und mehrmaligen barometrischen Höhenmessungen - auch geschah.

 

Mit dem Ferdinandeum in Innsbruck seit 1856 in Kontakt (MA 1856, 187, 203, 214, 253, 267, 301), wurde er "in Anerkennung der vielfachen Verdienste" auf wissenschaftlichem Gebiet durch Beschluss der Generalversammlung vom 18. Dezember 1856 zum Ehrenmitglied des Ferdinandeums ernannt (MA 1856, 329). In seinem Dankschreiben vom 7. Jänner 1857 (MA 1857, 11) zeigte sich Keil freudig überrascht und betrachtete die Ernennung als "hohe Auszeichnung", der er sich würdig erweisen werde, indem er die Interessen der "hochverehrten Gesellschaft" mit allen Kräften fördern wollte: "Als kleinen Anfang meiner Thätigkeit bitte ich die Relief-Karte, Großglockner u. seine Umgebung, zu betrachten, die ich mit morgiger Post Ihnen zu senden mir erlaube." - Später gelangten noch Karte und Relief der Kreuzkofelgruppe, heute mit den Lienzer Dolomiten gleichzusetzen, in das Landesmuseum (MA 1860, 3).

 

Das Relief der Glocknergruppe ist Franz Keils zweites geoplastisches Werk und - vom Inhalt her gesehen - wohl sein am meisten beachtetes, das im Tiroler Landesmuseum, wenn auch nicht immer in den Schausammlungen gezeigt, als Kostbarkeit gehütet wurde. Gleich nach der Übergabe an das Ferdinandeum wurde es in der Presse (Bothe für Tirol und Vorarlberg, 6. 6. 1857, 583) gerühmt und aufgrund der Kompetenz des Erstellers noch der Wunsch angefügt, Franz Keil sollte doch "eine solche Karte von ganz Tirol machen"; "... wie einzig stünde so ein Werk da, eine Zierde des Landes und der Wissenschaft". Dazu ist es jedoch nicht mehr gekommen.


Franz Keil, Hersteller mehrerer Tiroler Gebirgsreliefs



Literatur
Franz Foetterle, Über Keil's Reliefkarten des Grossglockners und des obersten Draugebietes, in: Mitteilungen der kaiserlich-königlichen Geographischen Gesellschaft 1 (1857) 58. - Guido Müller, Franz Keil. Ein Alpenforscher und Pionier der plastischen Gebirgsdarstellung (1822-1876), in: Mitteilung der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 116 (1976) 287-310. - Meinrad Pizzinini, Lienz. Das große Stadtbuch (Lienz 1982) 310-314. - Andreas Zemann, Reliefbau in Österreich. Diplomarbeit an der Fakultät für Grund- und Integrativwissenschaften der Universität Wien (Wien 1986) (Register).

 

Meinrad Pizzinini