Geognostische Karte Tirols, 1849  

Geognostische Karte Tirols, 1849

 

aufgenommen und herausgegeben vom Geognostisch-Montanistischen Verein von Tirol und Vorarlberg
Lithographie, koloriert, in 10 Teilen, 209 x 223 cm (Gesamtblatt), Maßstab ca. 1 : 112.500
Stich: C. Schach, Druck: Lithographische Anstalt S. Minsinger, München

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Kartographie, K X/50a

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Die geognostische Karte von Tirol stellt die Gesamtsynthese der Arbeiten des 1836 gegründeten Geognostisch-Montanistischen Vereins für Tirol und Vorarlberg dar, der damit der drittälteste geologische Verein Europas, nach London (1807) und Paris (1830), ist. Der spätere Fachdirektor für Mineralogie und Geologie des Ferdinandeums und Ehrenmitglied des Geognostisch-Montanistischen Vereins, Alois Pfaundler von Sternfeld, hatte einen Vorschlag zur Gründung eines derartigen Vereines bereits im Jahre 1801 vorgelegt. Die Vereinsgründung erfolgte dann jedoch erst 1836 auf Aufforderung des damaligen Innsbrucker Bürgermeisters Dr. Joseph Maurer, der zur Gründung eines "Vereins zur geognostisch-montanistischen Durchforschung des Landes Tirol" aufrief. Am 11. März 1837 folgte schließlich die erste Generalversammlung des Vereins, der endgültige Name wurde mit "Geognostisch-Montanistischer Verein für Tirol und Vorarlberg" festgelegt. Am 31. Mai 1837 übernahm Erzherzog Johann das oberste Protektorat, und nach Erlass entsprechender Instruktionen begannen bereits im Sommer 1837 die Arbeiten zur systematischen geologischen Landesaufnahme mit Erhebungen im Bereich des Brixentales. Im Jahre 1839 arbeiteten dann bereits drei Aufnahmekommissionen gleichzeitig (Osttirol, Westtirol, Vorarlberg). In den Jahren zwischen 1840 und 1846 schließlich wurde praktisch der gesamte Bereich des ehemaligen Tirol von den Aufnahmekommissionen des Vereins geologisch-kartographisch erfasst.

 

Unter Verwendung aller bis dahin gewonnenen geologischen Daten über Tirol begannen die Mitarbeiter des Geognostisch-Montanistischen Vereins schließlich unter der Redaktion des Sekretärs des Vereins und Fachdirektors für Mineralogie und Geologie am Museum, Dr. Michael Stotter, 1846 mit der Erstellung der Karte, die laut Angaben auf der Karte 1849 fertiggestellt, jedoch nach bisherigen Erkenntnissen erst 1852 veröffentlicht wurde. Die geognostische Karte von Tirol im Maßstab 1 : 112.500 (insgesamt 10 Kartenblätter) stellt ein hervorragendes Werk in der Geschichte der geologischen Erforschung Tirols dar. Sie wurde von führenden Geologen der damaligen Zeit, so unter anderem von Ferdinand Frh. von Richthofen, aufs höchste gelobt, wobei ihre Bedeutung durch jene Worte dokumentiert werden soll, die der hervorragende deutsche Geologe Leopold von Buch am 3. März 1852 vor der Deutschen Geologischen Gesellschaft in Berlin in seiner Einleitung anführte: "Die Masse wohlbeobachteter wichtiger geognostischer Tatsachen auf zehn großen Kartenblättern der geognostischen Karte von Tirol und Vorarlberg ist so überaus ansehnlich, daß man offenbar diese Bekanntmachung für eine der größten Bereicherungen ansehen muß, welche die Geognosie jemals erhalten hat."

 

Mehr dazu unter 1847 und Chronik 1855


Literatur
Raimund von Klebelsberg, Geologie von Tirol (Berlin 1935).

 

Thomas Bidner