Radetzky-Album  

Radetzky-Album

 

Autograph Kaiser Franz Joseph (Wien 1830-1916 Wien)
Papier, 336 x 260 mm, Lithographie, aquarelliert
bez. li. u.: Entworfen u. aus Privatmitteln des Vorstandes M. S.
bez. re. u.: Lith v J. Schöpf in Innsbruck

Bibliothek, Inv.-Nr. Autographensammlung, Radetzky-Album

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Aufs engste mit dem Jahr 1848 ist die Gründung des Radetzky-Vereins (1849) durch Johann Nepomuk Mahl-Schedl, ab 1851 Ritter von Alpenburg (Grünburg/OÖ 1806-1873 Innsbruck), verbunden. Als karitativer, patriotisch ausgerichteter Verein machte er es sich zur Aufgabe, die Mittel des Tiroler-Invaliden-Unterstützungsfonds durch "baare Beisteuer, Verkauf von patriotischen Schriften und Gedichten, Radetzky-Schüsse u. dgl." (§ 3 der Statuten) zu mehren, "die durch's Tirolerland passirenden verwundeten oder invaliden Soldaten und Landesschützen [zu] pflegen, [zu] unterstützen, mit Speise und Trank [zu] laben ..." (§ 2), aber auch die "Landes-Vertheidigung durch Belebung des Schützenwesens, Anschaffung und Verbesserung von Waffen hiezu, Weitschußübungen, Prüfung verschiedener Weitschußgewehre, die unter dem Namen ,Mahl-Schedl'sche Bergbatterie' bekannt sind, und von demselben noch immer vermehrt, der Landes-Defension zur Disposition gestellt wurden" (§ 5), zu fördern.

 

Im Zentrum stand natürlich Feldmarschall Radetzky: Alles auf ihn Bezügliche sollte gesammelt, aber auch wieder verbreitet werden, wodurch Mahl-Schedl den Sinn für Mut und Treue zu wecken hoffte (§ 4). Daraus entstand das Radetzky-Album: Schmuckblätter wurden mit der Bitte, sich darauf zu verewigen, an geeignete Persönlichkeiten versandt. Die meisten füllten den beschreibbaren Raum mit patriotischen Gedanken. Ab 1850 wurden diese Blätter dem Ferdinandeum übergeben und am 19. März 1852, Radetzkys Namenstag, zum Monument zusammengefügt: Es bestand aus "einem zierlich gearbeiteten Schranke ..., welcher als Deke mit der wohlgetroffenen Büste des greisen Helden geziert ist, die von dem Tiroler Adler, in seinen Fängen über dem theuern Haupte einen Lorbeerkranz haltend, umschwebt wird." An der Spitze der im Schrank enthaltenen Blätter lag das Schreiben Radetzkys vom 10. April 1849, alle anderen folgten einer ständischen Ordnung: "1. Das Allerhöchste Kaiserhaus, dessen Verwandte und Alliirte; 2. berühmte Feldherren und Männer aus dem Soldatenstande; 3. Staatsmänner und berühmte Zeitgenossen aus dem Zivilstande; 4. berühmte Gelehrte, Künstler, Schriftsteller, Dichter und Patrioten; 5. muthige und verdiente Tiroler und Vorarlberger endlich 6. Autografien von berühmten Männern, im Kampfe gefallen oder durch den Tod entrissen." Zum Denkmal gehörten auch "Gedichte, Proklamationen, Biografien, Schlachtenbeschreibungen, patriotische Handlungen, erhebende Gelegenheitsschriften", Porträts und Bücher.

 

Heute liegen die mehr als 1000 Autographe - rund ein Viertel des gesamten Autographenbestandes - alphabetisch geordnet in Archivschachteln; alles andere ist spurlos im Bibliotheksbestand aufgegangen.


Vom Maler Emil Adam (1843-1924) ausgefülltes Blatt, Stahlstich (Leander Ruhs del., Leop. Beyer sc.). Emil Adam trug sich mit folgendem Sinnspruch ein: Vorwärts! / In der Kunst gibts kein Stehenbleiben / Stillstand ist Rückschritt. - / Emil Adam. / München den 5. Juni. / 1861.
Bibliothek, Autographensammlung, Radetzky-Album



Literatur
Der Text wurde gekürzt aus: Ellen Hastaba, Radetzky-Verein - Radetzky-Album. In: Die Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Die Geschichte ihres Bestandes. Ihre Funktion als Museums- und Tirolensienbibliothek. 1823-1900, bibliothekarische Hausarbeit (Innsbruck 1997) 82-86 (s. dort auch die entsprechenden Zitatnachweise). - Zu Leopold Beyer (Kupferstecher zu Wien): G. K. Nagler, Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc. 1 (München 1835) 483. - Zu Leander Russ (Maler zu Wien): ebenda, 81. - Zu Johann Nepomuk Mahl-Schedl von Alpenburg: Constant von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich 16 (Wien 1867) 285-288. - Gertrud Pfaundler: Tirol Lexikon (Innsbruck 1983) 243. - Zu Emil Adam (München 1843-1924 München, Maler/Pferdemaler): Ulrich Thieme / Felix Becker (Hgg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart 1 (Leipzig 1907) 60f. - Zu Josef Schöpf (Arzl i. Pitztal 1811 - vermutl. 1861 Innsbruck): Hans Hochenegg, Die Anfänge des Steindruckes in Tirol, in: Tiroler Heimatblätter 70 (1995) 110-118, bes. 115.

 

Ellen Hastaba