Himmelsglobus, 1755/56  

Himmelsglobus, 1755/56

 

Peter Anich (Oberperfuss 1723-1766 Oberperfuss)
Dm 100 cm, Gesamthöhe im Gestell 151,5 cm; Kugel: Holz (hohl), mit Gipsschicht, aufgeklebte Papierblätter; Meridianring aus Messing, Horizontring aus Holz, mit Papier beklebt, beschriftet, mit Tierkreiszeichen, Kalender und 32teiliger Windrose versehen; vierfüßiges Holzgestell mit gedrechselten Säulen

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Globen 1

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Peter Anich, Bauernbub aus Oberperfuss in der Nähe von Innsbruck, erhielt wohl vom Kuraten seines Ortes den ersten Unterricht, der ihn befähigte, ab seinem 28. Lebensjahr an den Wochenenden bei Professor Ignaz von Weinhart SJ in Innsbruck in verschiedenen Fächern wie Mathematik, praktische Geometrie, Mechanik, Astronomie usw. unterwiesen zu werden. Nach dem "Elogium", der ersten Vita Peter Anichs, stellte Weinhart mit dem Auftrag, einen großen Himmelsglobus anzufertigen, Anichs Talent auf eine harte Probe (Weinhart/Hell, 9; Büchner, 310f). Im Jahr 1756 war das Werk vollendet. Sicherlich mussten Vorlagen verwendet werden; so beruht der astronomische Gehalt auf den Blättern Johann Gabriel Doppelmayrs (Kinzl, Die kleinen Globen, 16). Die dreiteilige Schriftkartusche enthält u. a. eine Widmung an Maria Theresia und die Datierung "1757". Das Uhrwerk, das den Globus einmal pro Tag um die eigene Achse dreht, schuf der Sellrainer Bauer Joseph Koffler. Das Zifferblatt enthält die Inschrift "ACCESSIT STELLIS ORNATUS AGRESTIS" - "Ein Bauer näherte sich den Sternen des Weltalls".

 

Anich meisterte die Aufgabe glänzend, sodass Weinhart ihn ermunterte, weiters einen Erdglobus von derselben Größe zu erstellen. Noch bevor die Arbeiten im April 1759 abgeschlossen waren, verfertigte Anich ein Paar kleiner Globen, als Kupferstiche für weitere Verbreitung bestimmt.

 

Die Intentionen des Ferdinandeums, die im Besitz des Physikalischen Kabinetts der Universität Innsbruck befindlichen großen Globen Peter Anichs mit weiteren Gegenständen auszustellen, wurden in der Ausschusssitzung vom 4. Jänner 1849 artikuliert (MA 1849, 7). Die Verständigung des Statthalters Cajetan Graf Bissingen, dass das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht in Wien der Übergabe der Objekte zugestimmt habe, ist mit 6. September datiert (MA 1849, 100). Nachdem verschiedene Landkarten bereits im März und die Porträts von Anich und seinem Mitarbeiter Blasius Hueber im April übernommen worden waren, konnten am 12. Oktober 1849 endlich auch die großen Globen, weiters ein Paar kleiner Globen und zehn Vermessungs- bzw. Zeicheninstrumente an das Ferdinandeum übergeben werden (EB 1849).

 

Wenn auch Peter Anichs Hauptwerk der "ATLAS TYROLENSIS" (1774) bleibt, kommt doch beiden großen Manuskriptgloben außerordentliche Bedeutung zu. Es wurde immer auch die hervorragende handwerkliche Präzisionsarbeit dieser größten jemals in Tirol gebauten Globen geschätzt. Sie haben neben der Tirol-Karte (siehe unter Chronik 1828) dazu beigetragen, dass Peter Anich durch die Jahrhunderte als große Persönlichkeit der Wissenschaft gewürdigt wird.


Ausschnitt aus dem Zifferblatt des Uhrwerks am Himmelsglobus
Historische Sammlungen, Kartographie, Globen 1



Literatur
Ignaz Weinhart / Maximilian Hell, Elogium rustici Tyrolensis celeberrimi Petri Anich Oberperfussensis (Wien 1766). - Übersetzung durch Robert Büchner. In: Hans Kinzl (Hg.), Peter Anich 1723-1766, der erste "Bauernkartograph" von Tirol. Beiträge zur Kenntnis seines Lebenswerkes (Tiroler Wirtschaftsstudien 32, Innsbruck 1976) 241-344. - Arthur Dürst-Rangger, Peter Anich, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck 1966) 20ff. - Hans Kinzl (Hg.), Peter Anich 1723-1766, der erste "Bauernkartograph" von Tirol. Beiträge zur Kenntnis seines Lebenswerkes (Tiroler Wirtschaftsstudien 32, Innsbruck 1976). - Hans Kinzl, Die kleinen Globen des Tiroler "Bauernkartographen" Peter Anich (Innsbruck 1976) (Begleitbroschüre zum Nachdruck der kleinen Globen in 5 Blättern, hg. vom Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum). - Meinrad Pizzinini, Peter Anich, Erd- und Himmelsglobus, 1758/59. In: Vom Codex zum Computer. 250 Jahre Universitätsbibliothek Innsbruck, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995 (Innsbruck 1995) 122f, 176. - Peter E. Allmayer-Beck (Hg.), Modelle der Welt. Erd- und Himmelsgloben (Wien 1997) 88-91.

 

Meinrad Pinzzinini