Bibliotheca tirolensis - Dipauliana  

Bibliotheca tirolensis - Dipauliana

 

Privatbibliothek Andreas Alois Baron di Paulis von Treuheim (Aldein bei Bozen 1761-1839 Innsbruck)
1390 (+ 1) Bände: Handschriften, Drucke, Urkunden, Akten, Kryptonachlässe, topographische Ansichten, Tagebücher
abgebildet

Bibliothek, Inv.-Nr. Dip. 1 - Dip. 11

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Zu einer "Feier, bedeutungsvoll für die Gegenwart, noch bedeutungsvoller für die Zukunft, einfügend ein leuchtendes Blatt in die Historie unseres Vaterlandes" (JB 1845, IV), gestaltete sich die Generalversammlung am 15. Mai 1845. Im Mittelpunkt stand die Eröffnung des Neubaus, aber es galt noch ein zweites Ereignis zu feiern: die "von Sr. Majestät dem Kaiser" angeordnete "Aufstellung und Verwahrung der auf Verwendung des Herrn obersten Vorstandes von den Erben des Herrn Appellazionspräsidenten Freiherrn v. Di Pauli auf Staatskosten erkauften Bibliotheca tirolensis in dem eigens hiezu gewidmeten Lokale des Ferdinandeums" (JB 1845, XII). Damit fanden mehrjährige Verhandlungen ihr krönendes Ende. Solange di Pauli die Vorstandschaft innehatte, stand auch den Mitgliedern seine Privatbibliothek offen (JB 1824, 19). Wie weit dies auch noch nach seinem - nicht ganz freiwilligen - Ausscheiden (1838) der Fall war, ist unbekannt. Groß war die Enttäuschung des Museums, dass er in seinem Testament die Büchersammlung nicht dem Ferdinandeum überließ, sondern nur "das Gemählde mit den Rahmen von Schildkrötenschale, das ihm aber erst zu übergeben ist, wenn seine Sammlungen in einem demselben eigenthümlichen Hause aufgestellt sind ... So vielen Verdruß und Widerstand gegen meine gutgemeinten Absichten ich in der letzten Zeit gefunden habe, wünsche ich diesem Institute doch herzlich ein fortwährendes immer höheres Gedeihen." Erben waren seine drei damals noch lebenden Söhne. Sie kontaktierte das Ferdinandeum schon bald: Kauf war der einzige Weg, in den Besitz der Bücher zu kommen, allerdings war der geforderte Preis für den Verein zu hoch. Das Handeln fand ein Ende, als Ferdinand I. den letztendlich festgesetzten Preis von 5400 fl. aus seiner - im Gegensatz zu obiger Anzeige im Jahresbericht - Privatschatulle bezahlte, wobei der Kauf bezüglich Aufbewahrung, Benutzbarkeit etc. an Bedingungen geknüpft war.

 

Zunächst sollte die Bibliothek nur Literatur für den Staatsmann di Pauli bereithalten, doch im Lauf der Zeit weitete sich die Sammlung zu einer Tirolensienbibliothek aus, die fast gleichlautende Ziele wie die heutige Ferdinandeumsbibliothek verfolgte: über Tirol handelnde, in Tirol entstandene, von Tirolern verfasste handschriftliche oder gedruckte Werke in sich zu vereinen.

 

Von den erworbenen Titeln stellte er meist Sammelbände zusammen, die er gleich binden ließ. Fast alle historischen Buchrücken wichen zugunsten eines einheitlichen Aussehens. Letztendlich dürfte die Bibliothek 1400 Bände umfasst haben; heute verwahrt das Ferdinandeum 1390 Dipauliana-Bände, wovon 14 erst vor wenigen Jahren als Geschenk der Nachkommen ins Museum kamen.


Anton Psenner (1791-1870), Andreas Alois di Pauli, nach 1830
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1448



Literatur
1993 konnten für das Museum im Besitz der Familie befindliche Briefe etc. - u. a. auch das eigenhändige Testament vom 10. Oktober 1838 - di Paulis fotokopiert werden (Bibliothek, Nachlasssammlung). - Zu den abgebildeten ersten 11 Bänden der Dipauliana siehe: Karl Schadelbauer, Die Kleinst-Bände der "Dipauliana". Ein Bücherverzeichnis (Band 1 bis 100), in: Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Innsbruck 14 (Innsbruck 1957) 3f. - Gekürzt aus: Ellen Hastaba, Dipauliana. In: Die Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Die Geschichte ihres Bestandes. Ihre Funktion als Museums- und Tirolensienbibliothek. 1823-1900, bibliothekarische Hausarbeit (Innsbruck 1997) 87-106. - Mehr dazu bei: Ellen Hastaba, "Und wer sammelt die Perlen | Zum tirolischen Ehrenkranz?" Die Bibliotheca Tirolensis - Dipauliana. In: Kulturerbe und Bibliotheksmanagement. Festschrift für Walter Neuhauser zum 65. Geburtstag (= Biblos-Schriften 170, Innsbruck 1998) 215-237.

 

Ellen Hastaba