Macbeth und die Hexen, 1835  

Macbeth und die Hexen, 1835

 

Joseph Anton Koch (Obergiblen bei Elbigenalp 1768-1839 Rom)
Öl auf Leinwand, 80,7 x 121,5 cm
bez. u. Mitte: I. K.

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 355

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Die Beschäftigung mit dem Motiv aus Shakespeares Bühnenstück "Macbeth" reicht bis in Kochs frühe Zeit in Rom zurück. Bereits 1796 hielt der Künstler erstmals in einem Aquarell die Begegnung der siegreichen Heerführer Macbeth und Banquo mit den Hexen während eines Gewitters (1. Akt, 3. Szene) fest. Dieser frühen Darstellung, in welcher er die Motive der Begegnung mit dem eines Hexen- und Teufelsreigen (4. Akt, 1. Szene) im Mittelgrund zusammenzog, folgten weitere Aquarelle von 1797 und 1798. Mehr als 30 Jahre später schuf Koch 1829/30 die erste große Gemäldedarstellung des Shakespeare-Stoffes (Basel, Kunstmuseum), der 1834/35 eine weitere kleinere Fassung auf Holz folgte (Wuppertal, Von-der-Heydt-Museum).

 

Das wahrscheinlich bereits 1834 begonnene und im Dezember 1835 vollendete Gemälde ist die dritte, letzte und reifste der späten Fassungen dieses Themas. Gegenüber dem größeren Bild in Basel bedeutet es eine Steigerung in der Dramatik und der kontrastreichen Bewegung: Von der heftigen Wolkenformation und dem daraus hervorgehenden Hexenzug ausgehend, ergibt sich eine schwingende Bewegung, die über die windbewegten Bäume im Mittelgrund und die Wegführung zu den beiden Heerführern und den drei Hexen im Vordergrund umgelenkt wird. Während sich gleichsam der Ausdruck des inneren Zustandes von Macbeth und Banquo in der sie umgebenden bewegten Natur (Bäume) widerspiegelt, sind die entfesselten Kräfte der Natur (Wellen, Blitze und Wolken) den Hexen zugeordnet, deren gemeinsamer blauer Umhang sich kontrastreich vom Weiß der schäumenden Wellen abhebt.

 

In einem Brief vom 20. Jänner 1835 an den Vorstand des Ferdinandeums, Andreas Alois di Pauli, aus Rom erwähnte der Maler Gebhard Flatz, dass "von den Bildern, die Koch gegenwärtig im Atelier hat", auch das noch "nicht ganz vollendet(e) Bild ,Macbeth und die Hexen', für Ankäufe in Betracht" (MA 1835, 20) käme. In einer Sitzung des Verwaltungsausschusses vom 2. März 1835 wurde der Ankauf des Bildes beschlossen (MA 1835, 20). Nach dem Eintreffen des Gemäldes im Mai 1836 wurde es als "historische Landschaft, von Joseph Koch in Rom gemalt, Makbeth (sic!), dem die Hexen in einem von ihnen erregten heftigen Sturmwetter entgegen kommen, nach Shakspears (sic!) berühmtem Trauerspiele" (JB 1836, XV) in die Gemäldesammlung aufgenommen.

 

Das Gemälde gehört zu den späten Meisterwerken von Joseph Anton Koch. In ihm zeigt sich der Dramatiker Koch, der "im dynamischen Raum- und Bildaufbau die Natur zum Ausdrucksträger des inneren Zustandes des Helden machen konnte" (Holst 1989, 336).

 

Zu Joseph Anton Koch siehe auch 1846 und 1873


Literatur
Joseph Anton Koch 1768-1839. Zeichnungen und Gemälde, Katalog Nationalgalerie Berlin 1939 (2. Aufl., Berlin 1939) 39, Kat.Nr. 62. - Otto Lutterotti, Joseph Anton Koch 1769-1839. Leben und Werk (Wien-München 1985) 124f, 304, G 88, Farbtafel XXIV. - Christian von Holst, Josef Anton Koch 1768-1839. Ansichten der Natur, Katalog der Staatsgalerie Stuttgart 1979 (Stuttgart 1979) 335-336, Kat.Nr. 165, Abb. 257.

 

Günther Dankl