Carta Itineraria Evropae  

Carta Itineraria Evropae

 

Martin Waldseemüller (Freiburg i. Br.? um 1470-1520/21 Straßburg). Holzschnitt in vier Teilen auf Papier, auf Leinwand aufgezogen, altkoloriert, 106,7 x 140,7 cm (Gesamtblatt), Maßstab ca. 1 : 2,5 Millionen, südorientiert. Titel "CARTA · ITINERARIA · EVROPAE"; Signatur "OPS · COROGRAPHIC · ET · GEOGRAPHICVM · MARTINI ILACOMILI · FRIBVRGENSIS ·"; Datierung rechts vom Kompass: "1520".

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. ohne

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Diese erste Straßenwandkarte Europas vom Beginn des 16. Jahrhunderts zählt weltweit zu den Kostbarkeiten nachmittelalterlicher Kartographie. Nun wurden weit mehr als bisher Reiseberichte ausgewertet und nicht bloß ältere Karteninhalte übernommen. Besonders Martin Waldseemüller - dem usus der Zeit entsprechend latinisiert "Ilacomilus" - verbesserte die längst schon überholten Ptolemäischen Darstellungen und schuf mit seinen Weltkarten (1507, 1516), den Europakarten (1511, 1520) und auch regionalen Blättern epochemachende, "originale" Kartographie. Während von der ersten Ausgabe der Europa-Karte von 1511 nur der beschreibende Text bekannt ist, die Karte selbst immer noch als verschollen gilt, ist auch der zweite Druck von 1520 nur in einem einzigen Exemplar bekannt (Meine, 5).

 

Für die Nachzeichnung des Weges der Waldseemüller-Karte vom Druck in Straßburg (1520) bis zur Schenkung an das Ferdinandeum (1835) durch Gubernialrat Josef von Voglsanger (1783-1862) konnten bisher keine Anhaltspunkte gefunden werden. Im Erwerbungsbuch von 1835 heißt die lapidare Eintragung: "Eine Landkarte von Europa v. J. 1530 [sic!] datiert // Kaiser Karl V. v. Illacomili" (EB 1835). Durch Jahrzehnte hindurch erkannte man nicht den sensationellen Wert der "CARTA ITINERARIA EVROPAE", bis sie endlich zu Beginn der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts vom damaligen Vorstand des Ferdinandeums, Univ.-Prof. Dr. Franz von Wieser (1848-1923), eher zufällig in den Kartenbeständen des Museums aufgefunden und dann sogleich in ihrer Bedeutung erkannt worden ist. Das Ergebnis einer ersten Untersuchung machte Wieser der Fachwelt 1893 bekannt (Wieser, 5-8).

 

Die Europa-Karte von Martin Waldseemüller ist nicht nur das älteste Objekt der Kartographischen Sammlung des Tiroler Landesmuseums, sondern auch das wertvollste. Der besondere Wert der "CARTA ITINERARIA EVROPAE" äußert sich in ihrer überregionalen Bedeutung. Zuzurechnen dem von Erhard Etzlaub geschaffenen Kartentypus, ist sie ein Spiegelbild des um 1520 bestehenden "modernen" topographischen und verkehrsgeographischen Kenntnisstandes (Meine, 10f). Tirol ist selbstverständlich mitberücksichtigt, sodass die Waldseemüller-Karte die älteste kartographische Darstellung Tirols in seinem historischen Umfang in den Ferdinandeums-Sammlungen enthält.


Waldseemüller-Karte, Wappen der Grafschaft Tirol auf der unteren Wappenleiste
Historische Sammlungen, Kartographie, ohne Inv.Nr.



Literatur
Franz von Wieser, Die Carta Itineraria Europae von Martinus Waltzemüller (Hylacomylus) (München 1893). - Eugen Oberhummer, Die Karten Martin Waldseemüllers, in: Geographische Zeitschrift 11 (1905) 227-234. - Leo Bagrow, Carta Itineraria Europae Martini Ilacomili, 1511, in: Imago Mundi 11 (1954) 149f. - Wilhelm Bonacker, Das Werden der Straßen- und Autokarte. Begleitworte zur Internationalen Ausstellung vom 25.-27. September 1958 in Hamburg (Köln 1958). - Karl-Heinz Meine, Erläuterungen zur ersten gedruckten (Straßen-) Wandkarte von Europa der Carta Itineraria Evropae der Jahre 1511 bzw. 1520 von Martin Waldseemüller (um 1470 bis etwa 1521). Kostbarkeit des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, Innsbruck (Bonn-Bad Godesberg o. J. [1971]). - Meinrad Pizzinini, Carta itineraria Evropae. In: Hispania - Austria. Die Katholischen Könige, Maximilian I. und die Anfänge der Casa de Austria in Spanien, Katalog Schloß Ambras 1992 (Mailand 1992) 185f.

 

Meinrad Pizzinini