Weihe- oder Grabfund  

Weihe- oder Grabfund

 

17./16. Jahrhundert v. Chr.
Ried im Oberinntal
Bronze, Bernstein

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 1.130-1.150

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Im Herbst des Jahres 1831 wurde von Straßenarbeitern beim Ausheben eines Grabens in der Nähe von Ried im Oberinntal ein aus Waffen und Schmuck zusammengesetztes Fundensemble der Spätphase der frühen Bronzezeit geborgen (JB 1832, 20), das 1832 durch Vermittlung des Gubernialrates und Straßenbaudirektors Graf von Reisach gegen eine Entschädigung von 10 Gulden in das Ferdinandeum gelangte (EB 1832).

 

Die schilfblattförmige Dolchstabklinge aus Bronze mit eingraviertem hängenden Winkelmuster und einem erhaltenen Niet mit zwei kegelförmigen Köpfen diente wohl einst, wie das Randleistenbeil mit dreiviertelkreisförmiger Schneide und Nackenkerbe, in erster Linie als Würde- oder Hoheitszeichen. Eine runde große und sieben runde kleine Bernsteinperlen bildeten mit den beiden erhaltenen Bruchstücken eines Bernsteinschiebers Teile eines prächtigen Kolliers, dem vermutlich auch die sieben konischen Spiraltutuli aus Bronzedraht angehörten. Der von den Findern mehrfach zersägte und angefeilte, ca. 0,7 kg schwere dickstabige Ösenhalsring mag Schmuck und - wie die Bewaffnung - Statussymbol gewesen sein.

 

Aufgrund ungenügender Überlieferung der Fundsituation kann die Interpretation der in der Erde deponierten Gegenstände nicht mehr sicher abgeklärt werden: Zwar ist ihre Deutung als Weihegabe an eine Gottheit wahrscheinlich, jedoch könnte dieses Ensemble auch als Grabbeigabe für einen hochrangigen Verstorbenen niedergelegt worden sein.

 

In Verbindung mit zahlreichen Einzelfunden aus dem Landecker Raum, etwa dem Vollgriffdolch von Landeck-Perjen, dem Randleistenbeil und der Dolchklinge von Zams-Anreit (JB 1959, 227), der Scheibenkopfnadel von Zams-Gallug (JB 1931/32, X), der Scheibenkopfnadel, den beiden Ösenhalsreifen von Stanz-Schrofenstein (EB 1886) und den Siedlungsfunden z. B. von Ladis ( JB 1990, 219) und Zams-Rifenal (JB 1987, 183), dokumentiert der Fund von Ried mit zeitgleichen Funden aus dem Oberen Vinschgau den wichtigen Übergang Reschen bereits für den frühen Abschnitt der Bronzezeit. Auch die Fernbeziehungen zeigt das Rieder Fundensemble auf: Die Dolchstabklinge (Schauer, 60f) wurde wahrscheinlich in einer Aunjetitzer Bronzewerkstatt gefertigt, der Bernstein stammt wohl aus den Lagerstätten im Baltikum.


Scheibenkopfnadel, Bronze Stanz, Schrofenstein
18. Jh. v. Chr.
Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.Nr. U 1.162



Literatur
Franz von Wieser, Der Bronzefund von Ried in Tirol, in: Prähistorische Blätter 4/2 (1892) 20-23. - Osmund Menghin, Zur Vor- und Frühgeschichte des Bezirkes Landeck. In: Raimund Klebelsberg (Hg.), Landecker Buch I (Schlern-Schriften 133, Innsbruck 1956) 39-75. - Walter Meier-Arendt, Ein frühbronzezeitlicher Stabdolch im Römisch-Germanischen Museum in Köln, in: Germania 47 (1969) 53-62. - Peter Schauer, Die Schwerter in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz I (Prähistorische Bronzefunde IV/2, München 1971).

 

Wolfgang Sölder