Mörser, um 1620  

Mörser, um 1620

 

Modell: Caspar Gras (Mergentheim 1585-1674 Schwaz)
Guss: Werkstatt Heinrich Reinhart (gest. 1629)
Bronze, H 17,4 cm, oberer Dm 16,5 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. B 233

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Mörser waren in den Apotheken und Küchen ein wichtiges Zerkleinerungsgerät, um geringe Mengen an Heilkräutern, Gewürzen oder ähnlichem zu zerstampfen.

 

Dieser zylindrische Prunkmörser wurde von dem gebürtigen Mergentheimer Caspar Gras entworfen, der seit 1600 bei dem Bronze- und Terrakottaplastiker Hubert Gerhard in Diensten stand und diesen 1602 nach Innsbruck begleitete, als Erzherzog Maximilian III. der Deutschmeister seinen Hof von Mergentheim nach Innsbruck verlegte, um das Amt des Tiroler Landesfürsten zu übernehmen.

 

Der Mörser besitzt oben einen auskragenden profilierten Mundrand, einen hohen Sockel mit tiefer Hohlkehle, darüber mehrere Drehrillen und Profilwülste und zwei Delphinhenkel. Auf einem ca. 6,5 cm breiten umlaufenden Fries sind folgende Tiere und Insekten dargestellt: Fliege, Maikäfer, Schmetterling, Weinbergschnecke, Heupferd, Fliege, Frosch, Drossel, Spinne, Hirschkäfer, Libelle sitzend (?), Libelle fliegend (?), Zecke, Ratte, Heupferd, Schmetterling, Fliege, Frosch, Gartenschnecke, Zecke.

 

Caramelle, 97ff, weist auf die enge Verwandtschaft zu den Modellierungen an den Säulen des Grabdenkmals für Erzherzog Maximilian III. den Deutschmeister in der Dompfarrkirche St. Jakob in Innsbruck hin. Das Grabdenkmal geht zwar auf ein Konzept von Hubert Gerhard zurück, wurde aber in der Hauptsache von dem jungen Caspar Gras modelliert und von Heinrich Reinhart gegossen. Neben den Figuren für den Lustbrunnen des Landesfürsten Erzherzog Leopold V. (1622/30), der heute vor den Stadtsälen in Innsbruck aufgestellt ist, gehören das Baldachingrab Maximilians III. in der Dompfarrkirche St. Jakob in Innsbruck und das Epitaph für Paul Sixt Graf Trautson in der Michaelerkirche in Wien zu den Hauptwerken von Caspar Gras.

 

Der Mörser konnte 1914 für die kunstgewerbliche Sammlung als Beispiel einer Kleinplastik nach dem Modell von Caspar Gras und als wichtiges Zeugnis des Innsbrucker Bronzegusses im frühen 17. Jahrhundert erworben werden. Er stammt aus dem Gasthof "Weißes Kreuz" in Innsbruck (EB 1914, April).

 

Die Sammlung an Bronzemörsern vermag die Wandlung der Formen und Dekore von der Gotik über die Renaissance, den Barock und das 19. Jahrhundert bis heute zu dokumentieren. Die ältesten Beispiele sind kelchförmig (konisch) und weisen gotische Zapfengriffe auf, spätere Modelle sind becherförmig (zylindrisch), mit Delphinhenkeln, einer reichen horizontalen Gliederung durch Profilreifen, aber auch mit Inschriften, Wappen, figuralem Dekor sowie Zierornamenten.


Caspar Gras, Stollenanschlag im Haller Salzbergwerk, 1648
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. B 204
Mehr zu Caspar Gras unter 1881



Literatur
Fritz Ferchl, Zur Geschichte der Pharmazie, Apothekenmörser von der Gotik bis zum Barock, in: Süddeutsche Apotheker-Zeitung 32 (1949) 579-586, 582 Abb. - Franz Caramelle, Caspar Gras (1585-1674). Leben und Werk. Phil. Diss. (Innsbruck 1972) 100f, 237, Kat.Nr. 8. - Barock in Innsbruck, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1980 (Innsbruck 1980) 208, Kat.Nr. 599 (Abb.). - Silber, Erz und Weißes Gold. Bergbau in Tirol, Katalog Tiroler Landesausstellung Franziskanerkloster Schwaz 1990 (Innsbruck 1990) 459f, Kat.Nr. 12.29 (Abb.). - Ruhm und Sinnlichkeit. Innsbrucker Bronzeguß 1500-1650. Von Kaiser Maximilian I. bis Erzherzog Ferdinand Karl, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1996 (Innsbruck 1996) 266ff, 122, Kat.Nr. 28 (Abb.), 340f.

 

Eleonore Gürtler