Dünenlandschaft, 1631  

Dünenlandschaft, 1631

 

Jan van Goyen (Leiden 1596-1656 Den Haag)
Holz, 24,7 x 35,5 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 960

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Jan van Goyen ist einer der wichtigsten Repräsentanten niederländischer Maler, welche die holländische Landschaft zum Hauptmotiv ihrer Gemälde erhoben. Zunächst erhielt er eine Ausbildung zum Glasmaler, bevor er bei verschiedenen Kunstmalern eine Lehre absolvierte. Besonders prägend wurde für ihn der Einfluss des Landschaftsmalers Esaias van de Velde, dessen Interesse an der heimischen holländischen Landschaft er teilte. Ab dem Jahr 1627 vereinfachte Van Goyen das Kompositionsschema seiner Werke und reduzierte die Farbpalette weitestgehend auf Ocker-, Grau- und Brauntöne. Charakteristikum vieler seiner Gemälde ist die horizontale Staffelung der Bodenzone in abwechselnd dunkle und lichte Streifen, mit dem Effekt der Steigerung der Tiefenraumwirkung; der weite Horizont nimmt häufig zwei Drittel des Bildträgers ein. Van Goyen erwarb 1634 das Bürgerrecht in Den Haag und war dort Mitglied bzw. Obmann der Lukasgilde. In den 40er Jahren führten ihn verschiedenste Wanderungen durch die Niederlande, auf denen er in Skizzenbüchern einen reichen Motivschatz anlegte, aus dessen Fundus er schöpfte, wenn er seine Landschaftsbilder später im Atelier ausarbeitete. Denn obwohl diese realistischen Landschaftsgemälde den Eindruck völliger Naturwahrheit vermitteln, sind es doch nach Skizzenvorlagen und aus der Erinnerung gestaltete Motive, die nicht direkt in der freien Natur, sondern in der Künstlerwerkstatt gemalt wurden.

 

Das Bild Van Goyens im Ferdinandeum zeigt eine typisch holländische Dünenlandschaft mit nur wenigen Staffagefiguren. "Die Textur der Malerei offenbart Goyens Meisterschaft: Die Pinselschrift modelliert die sandigen Hügel, den Grasbewuchs, die weichen Wolken nicht nur im Tonwert, sondern treffend in der Farbmaterie selbst. Die flüchtige, aber sichere Unterzeichnung wird durch die zum Teil sehr dünne, gleichsam tuschend aufgesetzte Farbe hier und da sichtbar, in den dunklen Bodenpartien, im Bereich des Himmels oberhalb der Düne. Demnach hielt sich Van Goyen nicht an die genauen Proportionen seines ersten Entwurfes auf der Tafel, sondern schuf im weiteren Malprozeß auch neue Bildlösungen, veränderte Details" (Weber 1998, Kat.Nr. 56).

 

Josef Tschager hatte 1856 dem Tiroler Landesmuseum nicht nur 111 Gemälde - darunter 70 Werke niederländischer Meister -, sondern auch 10.000 Gulden testamentarisch vermacht. Der damit eingerichtete Fonds ermöglichte im Laufe der Jahre den Ankauf weiterer Kunstwerke. 1899 wurde "aus den Mitteln des Tschager'schen Legatsfondes bei der Versteigerung der Collection Alb.[ert] Langen in München im Auftrag des Museums-Ausschusses" unter anderem diese Dünenlandschaft "des in der Galerie bisher unvertretenen, geschätzten Meisters Jan Van der Goyen" erworben (JB 1900, VIIIf).

 

Mehr zu Josef Tschager unter 1856


Literatur
Anna Dobrzycka, Jan van Goyen 1596-1656 (Posen 1966). - Hans-Ulrich Beck, Jan van Goyen 1596-1656 (2. Aufl., Amsterdam 1973) 509, Nr. 1170. - Christiaan Vogelaar (Hg.), Jan van Goyen, Katalog Stedelijk Museum De Lakenhal Leiden 1996 (Zwolle 1996). - Der Text bezieht sich hauptsächlich auf die Bearbeitung des Werkes von Gregor J. M. Weber, in: Bestandskatalog der Niederländer-Sammlung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (in Vorbereitung) Kat.Nr. 56, mit Abb.

 

Eleonore Gürtler