Berner Oberland - Das Haslital bei Meiringen, 1817  

Berner Oberland - Das Haslital bei Meiringen, 1817

 

Joseph Anton Koch (Obergiblen bei Elbigenalp 1768-1839 Rom)
Öl auf Leinwand, 101 x 134 cm
bez. re. u.: I. Koch Tyrolese in Roma 1817

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 359

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Das Gemälde von 1817 ist die dritte und reifste Fassung des Haslitals bei Meiringen im Berner Oberland mit der Wetterhorngruppe und den Reichenbachwasserfällen. Vorausgegangen sind zwei im Format kleinere Gemälde von 1815 (Wien, Österreichische Galerie) und 1816 (Dresden, Staatliche Kunstsammlungen). Alle drei Gemälde basieren auf früheren Schweizer Naturstudien, nach denen der Künstler bereits Mitte der 1790er Jahre eine frühe Darstellung dieses Motivs in Aquarell und Deckfarben ausgeführt hat.

 

Koch lenkt von einem erhöhten Standpunkt oberhalb der noch erhaltenen Resti-Ruine aus den Blick des Betrachters vom farblich klar abgegrenzten und mit reichlichen Staffagefiguren belebten Vordergrundstreifen über das sich in der Bildmitte erstreckende Tal bis hin zu den reich bewaldeten Vorbergen. Links dahinter erheben sich die vegetationslosen und plastisch gestalteten Engelhörner; noch weiter im Hintergrund in der Mitte ragen die schneebedeckten Gipfel von Dossen-, Well- und Wetterhorn hervor, eingebettet in den sich darüber öffnenden Himmel, dessen Wolken sich halbrechts tief bis vor die Berge herabstrecken. Von dort wendet sich die Aufmerksamkeit des Betrachters wieder der Talsohle mit dem windungsreichen Lauf der Aare, den Häusern und Wiesen und schließlich wiederum dem Vordergrund mit dem geselligen Treiben ländlicher Lebensführung zu.

 

Rechts im Vordergrund hat Koch seine Signatur, mit der er stolz seine Herkunft aus Tirol bekundet, in eine Steintafel eingraviert. Davor sitzen in stiller Betrachtung zwei Frösche. Der Künstler hat damit in seiner humorigen Art wie auf anderen besonders gelungenen Werken eines jener "Bilderrätsel" eingefügt, das so gedeutet werden kann, dass angesichts dieser besonderen künstlerischen Leistung auch die unqualifiziert quäkende Kritik verstummen muss.

 

Koch hat das Gemälde im Auftrag des Frankfurter Kaufmannes und Kunstsammlers Philipp Passavant geschaffen. Bereits 1856 wurde es dem Ferdinandeum erstmals zum Kauf angeboten. Jedoch erst 1873 wurde das Gemälde durch das Museum aus den Mitteln des Tschager-Fonds (mehr dazu unter 1856) um 850 Gulden süddeutscher Silberwährung erworben.

 

Das "Berner Oberland" stellt nach Kochs eigenen Worten "eine totale Vorstellung ... vom Alpenwesen" dar. Es gehört mit zu jenen Hauptwerken des Künstlers, in denen es ihm gelingt, eine auf der Errichtung objektiver Wertmaßstäbe beruhende "heroische" Alpenlandschaft zu schaffen, in der sich monumentale Ausdruckskraft des Klassizismus mit dem kosmischen Naturgefühl der Romantik verbindet.

 

Mehr zu Joseph Anton Koch unter 1836 und 1846


Literatur
Gert Ammann, Joseph Anton Koch. In: Die Tirolische Nation 1790-1820, Katalog Tiroler Landesausstellung Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1984 (Innsbruck 1984) 458, Kat.Nr. 13.217. - Otto Lutterotti, Joseph Anton Koch 1769-1839. Leben und Werk (Wien-München 1985) 84f, 101, 292, G 37. - Christian von Holst, Josef Anton Koch 1768-1839. Ansichten der Natur, Katalog der Staatsgalerie Stuttgart 1979 (Stuttgart 1979) 74, 257-259, Kat.Nr. 111. - Barbara Eschenburg, Landschaft in der deutschen Malerei. Vom späten Mittelalter bis heute (München 1987) 137-138. - Romanticismo. Il nuovo sentimento della natura, Katalog Museo d'Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto 1993 (Milano 1993) 124-127, Kat.Nr. 39. - Antikensehnsucht und Heimatsuche. Meisterwerke des 18. und 19. Jahrhunderts aus dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck, Katalog Liechtensteinische Staatliche Kunstsammlung Vaduz 1994 (Innsbruck 1994) 60f (Abb.).

 

Günther Dankl